Blitzer-Offensive, Sozialkosten und knappe Kassen: Das Landratsamt Sigmaringen im Krisenjahr 2025
Das Landratsamt Sigmaringen ist mit fast 1000 Beschäftigten die größte Behörde im Landkreis Sigmaringen. Die Mammutverwaltung ist in vier Dezernate aufgeteilt, die aus 25 Fachbereichen und Stabsstellen bestehen und Chefin ist Landrätin Stefanie Bürkle.
Wer arbeitet im Landratsamt?
Die Gesamtzahl der Mitarbeitende betrug Ende 2025 967, davon waren 426 Teilzeitbeschäftigte, was einer Quote von 44 Prozent entspricht. Die Zahl der Kommunalbeamten betrug 189 und 53 waren Landesbeamte. Dazu waren 51 Azubis, Studenten und Praktikanten tätig. 63 Prozent aller Mitarbeiter sind weiblich. 26 Prozent aller weiblichen Beschäftigten arbeiten in Teilzeit, bei den Männern beträgt die Teilzeitquote acht Prozent.
Altersstruktur und Ausbildung
28 Prozent der Beschäftigten im Landratsamt sind älter als 55 Jahre, und in den nächsten zehn Jahren wird die Verwaltung rund 313 altersbedingte Abgänge zu bewältigen haben. So erreichen 2026 43 Beschäftigte die Altersgrenze, im nächsten Jahr sind es 30 und laut Berechnungen 18 im Jahr 2036. Auch deshalb wurde die Ausbildungsquote von 4,7 Prozent im Jahr 2023 auf 5,3 Prozent im Jahr 2025 erhöht und die Übernahmequote blieb stabil bei 100 Prozent. Im vergangenen Jahr waren 51 Auszubildende und Studierende beim Landratsamt.
Entwicklung der Finanzen
Mit einer knappen Milliarde Euro bleibt das Buchungsvolumen der Kreiskasse auf hohem Niveau. Von 2008 bis 2025 erhöhte sich der soziale Zuschussbedarf von 43,8 auf 94,8 Millionen Euro. Die Verschuldung erhöhte sich auf 41,8 Millionen Euro, was dem Jahrhundertprojekt „Neubau Bertha-Benz-Schule“ geschuldet ist. Die Pro-Kopf-Verschuldung erhöhte sich auf 388 Euro je Einwohner (Landesdurchschnitt: 315 Euro) und der Zins- und Tilgungsdienst beläuft sich 2026 auf 2,3 Millionen Euro. In diesem Jahr weist der Haushalt ein Minus von 4,5 Millionen Euro aus. Das Geld, das über die Sozial- und Jugendhilfe an die Kreisbewohner geht, übersteigt die Kreisumlage der Gemeinden um 15,24 Millionen Euro. Auch 2026 muss der Landkreis die SRH-Klinik wieder mit etlichen Millionen Euro finanziell unterstützen.
Betreuung und Grundsicherung
Die Beschäftigten der Grundsicherung betreuen derzeit 1600 Hilfesuchende, und eine deutliche Erhöhung gibt es bei den Betreuungsverfahren, die 2025 mit 750 einen neuen Höchststand erreichten. Im Jahr 2016 waren es noch 340, allerdings hat sich durch die Reform des Betreuungsrechts 2023 die Zahl der Anspruchsberechtigten erhöht.
Migration und Integration
Die Flüchtlingszahlen im Landkreis sind weiterhin rückläufig. Im Jahr 2025 wurden 217 zur vorläufigen Unterbringung zugewiesen, darunter 155 Geflüchtete aus der Ukraine. Im Jahr 2023 waren es noch 750 und 2024 noch 255 Flüchtlinge, darunter 661 und 155 Ukrainer. In der Landeserstaufnahmeeinrichtung (Lea) Sigmaringen lag die durchschnittliche Belegung 2025 rund 415 Personen, im Jahr 2024 waren es noch 510. Zum Jahresende 2025 lebten rund 2600 Geflüchtete im Landkreis, davon knapp 1490 ukrainische Staatsangehörige. Angesichts dieser Entwicklung wurde die Gemeinschaftsunterkunft in Mengen geschlossen. Die bisherige Gemeinschaftsunterkunft im ehemaligen Fürstenhof in Sigmaringen wird 2026 abgerissen und eine neue Unterkunft für bis zu 90 Bewohner gebaut.
Kreisabfallwirtschaft
Der Eigenbetrieb übernimmt die Abfuhr des Rest- und Biomülls sowie des Papiers (schwarze, braune und blaue Tonne) und den Betrieb von 24 Wertstoffhöfen im Landkreis sowie die Entsorgungsanlagen Ringgenbach und Herbertingen. Zusätzlich erfolgen zweimal jährlich eine Problemstoff- und Grüngutbündelsammlung. In Ringgenbach wird das Grüngut zu Kompost aufbereitet. In Pfullendorf wurde im Juni 2025 der neue 6500 Quadratmeter große Wertstoffhof mit Stellplätzen für 16 Container im Industriegebiet „Mengener Straße“ eröffnet, dessen Bau rund 1,3 Millionen Euro gekostet hat. Im Juli wurde die neue Umschlaganlage mit Wertstoffhof in Herbertingen eröffnet, wobei die Neubauten auf dem 10.000 Quadratmeter großen Areal rund 7,5 Millionen Euro kosteten.
Kfz-Zulassungsbehörde
Rund 200.000 Kartenführerscheine sind Ende 2025 im Landkreis Sigmaringen registriert. Rund 5000 Umtauschanträge wurden bearbeitet, im Vorjahr waren es noch 3100 Anträge. Im vergangenen Jahr waren im Landkreis 144.556 Fahrzeuge zugelassen. Von Januar bis November 2025 hat die Behörde 132.873 Vorgänge bearbeitet.
Geschwindigkeitsüberwachung
Der Kreistag hat 2025 beschlossen, die Bußgeldeinnahmen um mehr als 50 Prozent auf zwei Millionen Euro zu erhöhen. Das konnte nur durch eine deutliche Intensivierung in der stationären Geschwindigkeitsüberwachung erreicht werden. Diese Überwachung erfolgt durch den Einsatz einer mobilen Messanlage, dazu einem Blitzeranhänger mit zwei Messeinheiten sowie sechs Blitzersäulen mit zwei eigenen Messeinheiten, die abwechselnd in den Säulen eingesetzt werden. Um die Vorgaben des Kreistags zu erreichen, hat die Bußgeldstelle 2025 sechs Leihanlagen für acht Monate gemietet und in den Blitzersäulen installiert. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 46.000 Fälle erfasst, für deren Abarbeitung zusätzliches Personal benötigt wurde. In den Ortsdurchfahrten Jungnau und Göggingen werden 2026 zwei stationäre Blitzersäulen mit zwei Messeinheiten installiert.
Das Jobcenter Landkreis Sigmaringen ist eine gemeinsame Einrichtung der Bundesagentur für Arbeit und des Landkreises. Knapp 4000 Menschen lebten in Haushalten, die vom Jobcenter Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II erhalten. Im Jobcenter fanden im vergangenen Jahr rund 7000 Arbeitsmarktberatungen statt, und es gab 650 Arbeitsaufnahmen. Damit belegte man in Baden-Württemberg im Ranking „Qualifizierung mit erfolgreicher Arbeitsaufnahme im Anschluss“ unter 33 Jobcentern den dritten Platz. Rund elf Millionen Euro wurden 2025 an die Kunden ausbezahlt, und die durchschnittliche Bearbeitungsdauer für einen Neuantrag betrug 6,9 Tage
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