Das Volk giert nach Ware: „Moses und Aron“ als großes Opernprojekt in Basel und Freiburg
Aufruhr im Zuschauerraum des Basler Theaters. Tumultartige Szenen. Und wir mittendrin. Jetzt gibt es kein Halten mehr. Den Sitznachbarn reißt es vom Stuhl. Mit seiner Bassstimme fordert er „Blutopfer“, andere stürmen jetzt die Bühne und rufen „Bleib uns fern mit Deinem Gott“. Sie schreien sich gegenseitig an, fuchteln wild durcheinander, dazwischen immer wieder Hohngelächter. Von der Bühne knallen uns mit Wucht Paukenschläge und aufpeitschende, treibende Rhythmen und gellende Bläsersätze entgegen. Das haut mächtig auf die Ohren. Es geht drunter und drüber. In welchem Tollhaus sind wir? Bei „Moses und Aron“, der Schönberg-Oper, einem Gemeinschaftsprojekt der beiden Theater Freiburg und Basel.
Nur Bibelfeste können ahnen, worum es geht. Moses führt mit seinem Bruder Aron das Volk Israels aus der ägyptischen Zwangsherrschaft in die Wüste – und aus der Vielgötterei zurück zum Monotheismus, zum abstrakten Gott der Väter, zu dessen Gesetzestafeln und letztlich zur Selbstbesinnung. Moses ist vom Allmächtigen durch und durch beseelt; er ist aber kein Mann der Worte: „Ich kann denken, aber nicht reden“. Er ist ein Mann des Geistes, wundersam glaubhaft verkörpert........
