Kurt Saier wird 100 Jahre alt: Große Liebe, getrennt im Alter
Ein ganzes Jahrhundert Leben, das ist mehr als nur eine beeindruckende Zahl. Es ist eine Geschichte voller Erinnerungen und Erfahrungen, die Generationen verbinden. Wenn Kurt Saier am Freitag, 24. April, seinen 100. Geburtstag feiert, dann blickt er nicht nur auf ein langes Leben zurück, sondern auf ein Stück Zeitgeschichte, die er selbst mitgeprägt und miterlebt hat. Umso besonderer ist dieser Anlass, weil er ihn nicht allein begeht: An seiner Seite seine Ehefrau Christa (92), mit der er seit 68 Jahren verheiratet ist. Gemeinsam auf ein so langes Leben zurückblicken zu können, und diesen seltenen Meilenstein miteinander zu feiern, ist für das Ehepaar ein Geschenk, das weit über den runden Geburtstag hinausreicht.
Fünf Jahrzehnte in Marbach gelebt
Geboren wurde Kurt Saier in Furtwangen, seine Frau Christa in Offenburg. Über fünf Jahrzehnte lebte das Ehepaar gemeinsam in Marbach – im eigenen Haus mit Garten, in dem sie zwei Töchter großzogen. Heute blicken sie glücklich auf eine große Familie mit fünf Enkeln und drei Urenkeln.
Ein Sturz verändert das Leben
Bis vor einem Jahr führten die beiden ein selbstbestimmtes Leben, unterstützt im Haushalt und im Garten. Dann kam der Einschnitt, wie ihn viele im hohen Alter erleben: ein Sturz. Die Folgen waren gravierend – Kurt Saier ist seitdem auf den Rollstuhl angewiesen und zog ins Altenheim St. Lioba. Wenig später traf es auch seine Frau. Nach einem Sturz kam sie in die Parkresidenz am Germanswald – ein Platz im St. Lioba war nicht verfügbar. Für das Paar eine schmerzhafte Situation: Nach so vielen gemeinsamen Jahren sind sie nun getrennt.
Das Ehepaar ist von Grund auf positiv eingestellt. Sie blicken nach vorn – mit der Hoffnung, dass bald ein Platz im St. Lioba frei wird und sie wieder zusammenleben können. Kurt Saier zeigt sich dabei kämpferisch: „Geistig bin ich noch sehr fit, aber mit den Beinen geht es nicht mehr so gut. Dafür habe ich mich zum Spezialisten im Rollstuhlfahren entwickelt“, sagt er mit einem Augenzwinkern.
Ein Leben voller Bewegung und Begegnungen
Beruflich war der Feinmechanikermeister bei Kienzle tätig und auf Taxameter spezialisiert. Als Verkaufsingenieur reiste er in über 80 Länder, schulte Ingenieure und bewegte sich sicher auf internationalem Parkett. Englisch und Spanisch spricht er fließend, Französisch lernte er in einem Intensivkurs in Grenoble – „aber die Sprache lag mir nie besonders“, gibt er offen zu.
Die schönsten Erinnerungen verbinden beide mit der gemeinsamen Familienzeit. Zwölf Urlaube auf der Insel Elba – jeweils vier Wochen – sind fest im Gedächtnis verankert. Den Vater und Ehemann mal ganz für sich allein zu haben. Wenn sie so am Erzählen sind, wird die tiefe Verbundenheit spürbar. Kleine Diskussionen über Details gehören dabei genauso dazu wie ein herzliches Lachen.
Auch sportlich war Kurt Saier einst aktiv: Im Turnverein zeigte er in der ersten Riege Übungen wie Handstand, Salto und Flic-Flac. Heute setzt er auf Lebensfreude als Rezept fürs Älterwerden: „Ein fröhliches Gemüt, die Sonne im Herzen und die gute Pflege meiner Frau.“ Neben der Malerei widmete er sich im Ruhestand dem Schreiben von Gedichten. Spontan, ohne zu stocken trägt er eines seiner zahlreichen Gedichte vor. Auch kulinarisch hatte er Talent: Mit selbstgemachten Pralinen und Torten verwöhnte er seine Frau.
Ein Wunsch, der alles überstrahlt. Was bleibt, ist ein großer Wunsch, den beide heute haben: „Dass Christa bald einen Platz im Lioba bekommt, damit wir wieder zusammen sind.“ Dabei hält er ihre Hand fest – ein stilles Zeichen einer langen gemeinsamen Geschichte. Gefeiert wird mit der ganzen Familie an dem Ort, wo sich Kurt Saier sehr wohlfühlt: Im St. Lioba.
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