„So viel Zynismus hatte selbst ich Trump nicht zugetraut“
Karl-Theodor zu Guttenberg, Sie haben lange in den USA gelebt und verfolgen die zweite Präsidentschaft von Donald Trump mutmaßlich auch staunend. Was treibt diesen Mann, wenn er mitten in der Nacht wütende Dinge postet und mal eben die Auslöschung der Zivilisation im Iran androht?
KARL-THEODOR ZU GUTTENBERG: Wir erleben ja eine ganze Reihe von Abgründen in der Kommunikation des US-Präsidenten. Und so ist meine Erwartungshaltung auf einem relativ niedrigen Niveau. Als ich das las, dachte ich im ersten Moment aber wirklich, dass das nicht wahr sein kann. So viel Verrohung, so viel Zynismus, auch in einem früheren Post ausgerechnet am Ostersonntag, hatte selbst ich Trump nicht zugetraut.
Nehmen Sie morgens auch als Erstes das Handy in die Hand und schauen, ob wieder etwas Irres in den USA passiert ist?
GUTTENBERG: Es übt eine fast perfide Faszination aus, wie dieser Mann agiert. Ich glaube, so geht es fast jedem von uns. Man weiß oft heute ja gar nicht mehr, worüber man sich erst gestern empört hat. Wer redet noch über Venezuela oder Grönland?
Wie verarbeiten Sie all das?
GUTTENBERG: Eine Zeit lang habe ich mit bösen Wortmeldungen darauf reagiert, aber inzwischen glaube ich, es ist am besten, Trump möglichst wenig Aufmerksamkeit zu schenken. Das dient dem eigenen Seelenheil. Allgemein gilt: Entzug von Beachtung bereitet Trump angesichts seiner unglaublichen Egozentrik am ehesten Schmerzen.
Ist es Zufall, dass sich Trump so oft spätabends oder sogar nachts zu Wort meldet?
GUTTENBERG: Es erzählt uns, dass wir es mit einem enorm impulsiven Menschen zu tun haben. Und dass er sich offensichtlich seine Tweets nicht schreiben lässt, sondern spontan darauf reagiert, was er wahrnimmt, wenn er einfach vor der Glotze sitzt.
Auch in den Iran-Krieg scheint er eher hineingestolpert zu sein. Und man fragt sich: Hat der Mann denn keine........
