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Was macht einen guten Dirigenten aus? Vortrag und Benefizkonzert zeigen, was sie leisten können

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14.03.2026

Gut besuchte Proben und volle Konzertsäle machen glückliche Musiker. Das ist eine Erkenntnis, die rund drei Dutzend Dirigenten von Musikvereinen des Blasmusikverbands Hegau-Bodensee aus dem Vortrag von Stefan R. Halder, dem Chefdirigenten des Landespolizeiorchesters, mitnahmen. „Motivation – ein motiviertes Orchester ist kein Zufall!“ hatte Halder, der auch Honorarprofessor an der Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen ist, sein Referat überschrieben.

Wer ihm im Landratsamt in den anderthalb Stunden zuhörte, bekam einen deutlichen Eindruck, wie so etwas gehen kann. Er schöpfte dabei aus seinem reichhaltigen Erfahrungsschatz, den er als musikalischer Leiter ehrenamtlicher und hauptamtlicher Orchester gesammelt hat. So stand beispielsweise das Landespolizeiorchester im Jahr 2014 kurz vor seiner Abschaffung. Ihm gelang es, den Klangkörper zu erhalten und zu erweitern.

Eine Probe, so Halder, solle vom Dirigenten immer mit guter Laune begleitet werden. „Auf der Hinfahrt die Mundwinkel eine Minute lang nach oben ziehen reicht schon“, erklärte er. Den Anschiss für ein zu spät kommendes Mitglied würde er vermeiden. „Das macht nur schlechte Laune“, betonte er.

„Beginnen Sie die Probe mit tutti, damit sich niemand langweilt“, regte er an. Der Begriff tutti bezeichnet in der Musik Passagen, die vom gesamten Ensemble oder einer großen Gruppe von Instrumenten gemeinsam gespielt werden. Es gelte, flexibel zu sein und auf kurzfristige Absagen zu reagieren, um den Probenverlauf anzupassen. Auch sei Lob besser als Kritik. Hervorheben, was gut war, und nicht herumnörgeln, lautet Halders Tipp. Und dann stelle sich ganz automatisch das ein: gut besuchte Proben und volle Konzertsäle.

Dirigent mit Leidenschaft - auch ohne Schein

Florian Knecht ist Dirigent der Musikfreunde Hoppetenzell-Zizenhausen. „An meiner Arbeit gefällt mir, Stücke herauszusuchen, sie mit den Musikern zu erarbeiten und so zur Aufführung zu bringen, dass es mir gefällt“, erklärte er. Seine Aufgabe erfüllt er mit Leidenschaft – auch ohne offiziellen Dirigentenschein. „Ich weiß so viel über Musik und kann das machen. Ich habe aber sehr viele Kurse besucht. Wenn der richtige Zeitpunkt kommt, kann ich mir vorstellen, den Schein zu erwerben“, erzählte er.

Nicole Waldraff ist seit 2020 Dirigentin der Jugendkapelle des Musikvereins Wollmatingen. „Ich habe eine unserer Vorgruppen geleitet und wollte schon immer die Jugendkapelle leiten“, begründete sie, warum sie 2013 den einjährigen Dirigentenlehrgang an der Musikakademie in Staufen besuchte.

Markus Kupferschmid vom Musikverein Liptingen hat den sogenannten C3-Schein 2003 erworben. 24 Jahre lang hatte er die Jugendkapelle geleitet, seit einem Jahr ist er Dirigent des Hauptorchesters. „Ich mag es, wenn das Publikum in der vollen Halle applaudiert, der Druck abfällt und sich alles in Wohlgefallen auflöst“, erklärte er. Aus dem Vortrag von Stefan R. Halder nahm Kupferschmid einige Erkenntnisse mit. „Die Proben mit tutti anfangen, um alle gleich zu integrieren. Die Musiker selbst dazu bringen, was sie verbessern können. Gute Laune ausstrahlen und nicht herumjammern“, fasste er zusammen.

„Es war gut, über Themen zu sprechen, die man schon kennt und im Idealfall das, was man schon macht, zu aktualisieren. Manches gerät auch in Vergessenheit. Um die Motivation hochzuhalten, behalte ich es zukünftig für mich, wenn ich Termine nicht so mag“, erklärte Nicole Waldraff.

„Noch mehr Abwechslung bieten, beispielsweise durch Zusammenarbeit mit anderen Dirigenten. Auf das Gute zu hören, ist ein schlauer Gedanke und das Orchester selber lernen zu lassen“, waren die Erkenntnisse, die Florian Knecht mitnahm.

Schnupperkurse für künftige Dirigenten

Verbandsdirigent Helmut Hubov hat allerdings eine Sorge. „Es werden immer weniger Dirigenten ausgebildet. Das führt zu einer schwierigen Lage für die Vereine. Aber wir sind dran, die Lage zu verbessern, etwa indem wir Schnupperkurse anbieten“, erläuterte er. Ähnliche Sorgen haben auch die Jugendkapellen, weiß Verbandsjugendleiter und Dirigent Valentin Erny. „Ich glaube, dass mehr Musiker ein Händchen dafür hätten“, sagte er zuversichtlich.

Was einen hervorragenden Dirigenten ausmacht, konnten anschließend im Konzil die Zuhörer beim Benefizkonzert des Landespolizeiorchesters zugunsten der Nachwuchsförderung im Verband erleben. Am Dirigentenpult stand als Gast Douglas Bostock, der bereits vor Jahrzehnten große Fußabdrücke in Konstanz hinterlassen hat und weltweit als musikalischer Leiter gefragt ist. Unter anderem war er Chefdirigent des Tokyo Kosei Wind Orchestra, das zu den besten sinfonischen Blasorchestern der Welt zählt.

Markus Kupferschmid schwärmte: „Super. Ein tolles Orchester mit einem wunderbaren Gesamtklang. Tolle Solisten und natürlich ein begnadeter Dirigent, der die Musiker mitreißt.“ Hermann Leiz aus Liggeringen war lange Jahre Mitglied im Verbandspräsidium. Auch er lobte: „Ein fulminantes Konzert. Für mich war es außergewöhnlich. Der Dirigent ist einzigartig.“

Heike Seehausen und ihre Mutter Christa Greulich waren mindestens genauso begeistert. „Die Musik fließt, beflügelt und versetzt in andere Sphären. Hervorragend. Hochqualifizierte Musiker“, sagte sie strahlend. „Sehr lebendig. Es hat mich mitgerissen“, bestätigte ihre Mutter. Heike Seehausen liebt neuzeitliche Musik. „Die Auswahl war für mich gut hörbar und nicht abgedreht, sondern frisch und spritzig. ‚Year oft he Dragon‘ war total schnell und hoch anspruchsvoll. Dessen lyrischer Mittelteil hat mich total mitgerissen. Es wurde mit Spannung gearbeitet. Wenn mich die Musik packt, sehe ich Bilder mit Ton – wie in einem Film“, erläuterte sie.

Blasmusikverband Hegau-Bodensee

Der Blasmusikverband Hegau-Bodensee hat 84 Mitgliedsvereine, die vorwiegend aus dem Landkreis Konstanz stammen. Laut Präsident Frank Bruschinsky gehören ihnen aktuell rund 5800 Musiker an. Der Blasmusikverband versteht sich in erster Linie als Dienstleister für seine Vereine. Vorbereitungskurse und die Prüfungen zu den Jungmusiker-Leistungsabzeichen sowie die Proben und Konzerte des Verbandsjugendblasorchesters sind Schwerpunkte der Jugendarbeit.

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