5 Dinge, die uns das Schicksal von Buckelwal Timmy lehrt
Wilde Tiere sind ohne Menschen am besten dran
Selbst Befürworter von Zoos dürften zustimmen: So lobenswert der Wunsch auch sein mag, Tieren das (Über)Leben zu ermöglichen, und sei es eben in Gefangenschaft – in einer perfekten Welt wäre das nicht notwendig. Denn dort könnte jedes Tier von der Ameise bis zum Zebra in der freien Wildbahn genau so leben, wie die Natur es vorgesehen hat. Keins würde aus menschengemachten Gründen auf der Internationalen Roten Liste der bedrohten Arten stehen. Mehr als 48.000 Arten, Tiere ebenso wie Pflanzen, gelten aktuell als vom Aussterben bedroht, weil der Mensch ihren Lebensraum zerstört oder sie jagt. Weltweit geht laut dem WWF „jährlich etwa die Fläche von Bayern an Hochseenetzen verloren“ – ein Todesurteil für viele Meerestiere, auch Timmy hatte Netzreste im Maul.
Jedes Lebewesen sollte uns gleich wichtig sein
Beim Verzehr eines zarten Wiener Schnitzels über die Adoption eines griechischen Straßenhundes diskutieren ... Ein durchaus realistisches Szenario, das zeigt, wie paradox Menschen sich manchmal verhalten. Einerseits liegt ihnen das Tierwohl am Herzen, andererseits handeln sie völlig entgegengesetzt. Jedes Lebewesen sollte uns gleich wichtig sein: Warum einen abgemagerten Igel füttern, aber einen Regenwurm auf dem Gehweg vertrocknen lassen? Keine Frage: Wann immer es möglich ist, sollte auch einem bis zu 16 Meter langen und bis zu 30 Tonnen schweren Buckelwal geholfen werden – aber nicht aus Prinzip oder fürs gute Gewissen.
Ein einzelner Wal steht für viel mehr
Die Debatte um die Tötung von Pavianen im Nürnberger Zoo liegt noch nicht allzu lange zurück, doch wer erinnert sich daran? Permanent werden in Zoos Tiere getötet und verfüttert, so wie in der freien Natur Beute- von Raubtieren gefressen werden oder Tiere einfach sterben, ohne dass es jemand mitbekommt. Biologe und Theologe David Seltmann weiß, warum dennoch ein einzelnes Tier wie Timmy zur Projektionsfläche großer Gefühle werden kann, wenn wir doch wissen, dass jeden Tag unzählige Tiere sterben – vor allem Nutztiere. Die menschliche Psyche sei nicht in der Lage, abstrakt um alle gequälten und getöteten Tiere in der Weise zu trauern, wie es im Einzelfall möglich sei. „Darum bedeutet die Trauer um dieses konkrete Tier auch die Chance, auf das menschenverursachte Tierleid in seinen verschiedenen Facetten aufmerksam zu machen.“
Der Tod ist Teil des Lebens
Wer je ein Haustier hatte, hat möglicherweise schon selbst beobachtet, dass Tiere spüren, wenn der Tod naht, und ihr Verhalten entsprechend ändern. Sie ziehen sich zum Beispiel zum Sterben zurück – so könnte es, rein theoretisch, auch bei Timmy gewesen sein. Die realistische Auseinandersetzung mit dem Tod (auch eines Wals) ist ein Thema für jedermann. „Erst die Endlichkeit gibt jedem Tag eine Bedeutung, einen Wert“, sagt Hospizleiterin Christina Gann. Dennoch beobachtet sie: „Wir machen einen großen Bogen darum, als ob wir damit vermeiden könnten, dass der Tod kommt.“ Das führt zu Unsicherheit, Angst und – wie man jetzt sieht – der Unfähigkeit, das inzwischen unvermeidliche Sterben eines Lebewesens zu akzeptieren.
Nicht jede Geschichte endet mit einem Happy End
Nach erfolglosen Rettungsversuchen sind sich Experten größtenteils einig, dass weitere Aktionen Timmy mehr schaden als nützen würden und man nun der Natur die Regie überlassen muss. Auch wenn schwer mit anzusehen ist, wie er wohl langsam stirbt: Ihn aktiv zu töten, steht nicht nur aus ethischen Gründen nicht zur Debatte. Etwas weiter gedacht und auch, wenn es herzlos klingen mag: Ein Happy End für Timmy wäre vermutlich schnell wieder vergessen – sein Tod könnte jedoch etwas bewirken. Sängerin Sarah Connor, die auch als Walschützerin bekannt ist, schrieb auf Instagram nach der Bitte von Fans, sie möge etwas für Timmy tun: „So gerne ich in meinen Wetsuit springen und den Wal befreien würde – ich kann ihm nicht helfen.“ Die entscheidende Frage sei nun: „Was lernen wir daraus?“ Antwort: Wer andere Wale vor Timmys Schicksal bewahren will, muss ihren Lebensraum schützen. Und das fängt damit an, auf Meerestiere auf dem Teller zu verzichten.
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