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Muettersprochgsellschaft setzt auf Folkrock: Autohaus als Bühne für Konzert im alemannischen Dialekt

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13.04.2026

Auf Einladung der Muettersproch-Gsellschaft Hegau kommt das Musiker-Trio Goschehobel nach Singen. Die Band präsentiert seit über 40 Jahren „Folkrock uff Alemannisch“ und beweist damit, dass Musik eine universelle Sprache ist, die Menschen verbindet. Gründungsmitglied Ebi Jäckle erzählt über die Anfänge der Band und was für ihn Dialekt bedeutet.

Ein Querschnitt aus neun Alben

Herr Jäckle, was bedeutet es für Sie, Dialekt zu sprechen?

EBERHARD JÄCKLE: Ich komme aus Hausach im Ortenaukreis, und dort war der Dialekt einfach allgemein üblich. Für mich ist es eine gewachsene Sprache, etwas Natürliches, das zu meiner Identität gehört.

Wie sind Sie vor über 40 Jahren auf die Idee gekommen, Folkrock auf Alemannisch zu machen?

EBERHARD JÄCKLE: Mein Musiker-Kollege und Freund Urban und ich kennen uns seit der Schulzeit. Wir wollten zusammen Musik machen, haben anfangs einfach Songs nachgespielt, auf Englisch und Deutsch. Irgendwann haben wir angefangen, eigene Texte zu schreiben. Da wurde schnell klar, dass uns das in der Mundart viel leichter fällt. Gerade wenn es darum geht, Gefühle auszudrücken, habe ich im Dialekt weniger Hemmungen. Auf Hochdeutsch kann etwas schnell gestelzt oder gar kitschig wirken, während Mundart direkter und ehrlicher klingt. Der eigentliche Anstoß kam dann durch eine Zeitungskritik. Wir hatten damals einen Auftritt in Rottweil mit einem noch sehr überschaubaren Repertoire. Als Zugabe spielten wir einen Rock-’n’-Roll-Song auf Englisch. In der Kritik hieß es: „Die Zugabe war so fetzig, dass die schauderhafte englische Aussprache keine Rolle spielte.“ (lacht) Das hat uns auf die Idee gebracht: Warum nicht auch eigene Songs in diesem Stil und mit unserer Sprache, in Mundart machen? Und wir merkten schnell: Die Menschen mögen das. Seitdem spielen wir hauptsächlich in der Region – vom Bodensee bis nach Nordbaden.

Wie würden Sie den Sound der Band beschreiben? 

Eberhard Jäckle: Unser Stil bewegt sich irgendwo zwischen Folk und Rock, mit Einflüssen von deutschen Bands, aber auch klassischen Folk-Gruppen. Gesanglich haben uns Künstler wie Neil Young geprägt. Wir arbeiten viel mit mehrstimmigem Gesang. Der Text spielt bei uns eine große Rolle – vielleicht sogar mehr als im klassischen Rock. Wir sind Jahrgang 1952, also mit der Musik der Stones und der Beatles aufgewachsen. Ich denke, auch diese Einflüsse hört man heraus.

Sie sind musikalisch vielseitig – welche Instrumente kommen zum Einsatz?

EBERHARD JÄCKLE: Im Mittelpunkt stehen Gitarre und Mandoline. Dazu kommen gelegentlich auch Instrumente wie das Xylophon oder verschiedene Percussion-Elemente. Wenn unser Kollege Oliver Fabro mit an Bord ist, kommen einige rhythmische Elemente wie Bassdrum oder Tamburin parallel zum Gitarrenspiel mit dazu. Der Gesang ist uns besonders wichtig – die Stimme ist letztlich das ursprünglichste Instrument überhaupt.

Sie schreiben die Texte selbst. Worum geht es darin?

Eberhard Jäckle: Unsere Texte haben mal mehr, mal weniger mit uns selbst zu tun und sind mal humorvoll, mal kritisch, manchmal auch ironisch. Wir versuchen, Dinge des täglichen Lebens zu beschreiben. In über 40 Jahren haben sich die Themen mit uns gemeinsam verändert. Aber letztlich haben unsere Texte immer mit dem echten Leben zu tun und sind keine künstlichen Konstrukte.

Die Muettersproch-Gsellschaft setzt sich für den Erhalt des Dialekts ein. Musik ist eine Weltsprache – aber wer ist Ihr Publikum?

Eberhard Jäckle: Wir spielen vor allem auf kleineren Bühnen, in der Kleinkunstszene. Das sind keine riesigen Hallen, sondern eher Veranstaltungen mit 60 bis 100 Leuten. Die Menschen schätzen die Nähe und die Verbindung aus Musik und einer Sprache, die sie kennen. Unser Publikum ist im Laufe der Jahre ein Stück weit mit uns älter geworden, aber es kommen auch immer wieder jüngere Leute dazu. Wir haben zum Beispiel vor einiger Zeit in der Rhön gespielt, wo ein ganz anderer Dialekt gesprochen wird. Dort stört es niemanden, wenn nicht jedes Wort verstanden wird – ähnlich wie bei manchen englischen Songs. Wir haben das Ganze nie als Beruf betrieben, sondern mit der Musik unsere Leidenschaft gelebt – ohne Agentur, einfach auf Anfrage – und das hat erstaunlich gut funktioniert.

Am 24. April kommen Sie nach Singen. Worauf darf sich das Publikum freuen?

Eberhard Jäckle: Wir spielen einen großen Querschnitt aus unseren mittlerweile neun CDs – also eine Art musikalische Reise durch unsere Geschichte. Dabei sind viel Spielfreude und Herzblut im Spiel. Das Publikum kann sich auf ein sehr lebendiges Konzert mit authentischen Musikern freuen. Und wir freuen uns darauf, in Singen zu singen!

Zu Band und Veranstalter

Die Band Goschehobel setzt auf Mundart mit Mundharmonika. Die Musiker Eberhard Jäckle, Urban Huber-Wölfle und Oliver Fabro sind eine feste Größe in der Folk-Rock-Szene des süddeutschen Raums. Im Jahr 2023 feierten sie ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum. Am Freitag, 24. April, kommt das Trio auf Einladung der Hegauer Muettersproch-Gsellschaft in das Singener Autohaus Bach an der Marie-Curie-Straße. Beginn ist um 19.30 Uhr.  Eingeladen wurden sie von der Hegauer Regionalgruppe der Muettersprochgesellschaft. Sie ist mit ihren über 300 Mitgliedern die größte Regionalgruppe und setzt sich auf unterschiedliche Weise für den Erhalt der alemannischen Sprache ein. Zudem lädt sie regelmäßig zu Veranstaltungen mit alemannischen Autoren und Musikern ein. Weitere Informationen unter: www.alemannisch.de. Karten zum Preis von 15 Euro sind im Autohaus Bach, Telefon 07731/61020, oder bei der Tourist-Info Singen, August-Ruf-Str. 13, Telefon 07731/85-262, erhältlich. (nic)

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