Förderung soll gekappt werden: Sorge vor dem Solar-Kollaps
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat es sich zum festen Ziel gesetzt, die Energiewende billiger zu machen. Nach Reformen bei Heizungen und Netzen sind ihre Pläne zum Umbau des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) öffentlich geworden, das den Ausbau von Strom durch Sonne, Wind und Biogas regelt. Zentral ist der Plan, die Förderung kleiner Photovoltaikanlagen zu streichen, wie sie auf Ein- und Zweifamilienhäusern installiert werden. Verbände und Fachleute befürchten, dass damit das Interesse einbricht. Dies könnte Stellen im Handwerk kosten und die Klimaziele gefährden.
„Die Förderung für Anlagen bis 25 Kilowatt installierter Leistung wird eingestellt“, heißt es im Entwurf. Reiche hatte dies erstmals in einem Interview unserer Redaktion angekündigt. „Diese Anlagen – insbesondere kleine Solaranlagen – sind inzwischen aufgrund gesunkener Kosten oft bereits ohne zusätzliche Förderung wirtschaftlich, sofern sie hohe Eigenverbrauchsanteile realisieren können“, lautet die Begründung.
Verband warnt: Ohne Einspeisevergütung rechnet sich die Anlage erst nach 19 Jahren
Bisher erhalten Betreiber kleiner Solaranlagen einen festen Betrag pro Kilowattstunde Strom, den sie nicht selbst verbrauchen, sondern ins Netz einspeisen. Lagen diese Beträge einst mit rund 50 Cent pro Kilowattstunde noch sehr hoch, sind sie im Laufe der Jahre gesunken und bewegen sich aktuell bei rund 7 Cent. Der Bundesverband Solarwirtschaft warnt, dass sich ohne den Zuschuss der Kauf kaum mehr rechnet: „Derzeit betragen die Amortisationszeiten neuer kleinen Photovoltaik-Dachanlagen bei sehr günstiger Konstellation rund zehn Jahre“, sagte Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig unserer Redaktion. „Selbst bei einem hohen solaren Eigenverbrauch würden die Amortisationszeiten ohne Einspeisevergütung auf rund 19 Jahre steigen“, sagt er. „Für die Mehrzahl potenzieller Solarkunden wäre dies unattraktiv.“
Spielraum für die Förderung der neuen Anlagen wäre wohl da: Die EEG-Vergütung wird aus dem Bundeshaushalt bezahlt. Für ältere, noch hochsubventionierte Solaranlagen endet jetzt nach 20 Jahren regulär die Vergütung. „Durch das Herausfallen dieser noch relativ teuren ersten Photovoltaik-Jahrgänge ergeben sich Einsparungen für den Bundeshaushalt in Milliardenhöhe“, erklärt Körnig. Damit ließen sich theoretisch neue Anlagen unterstützen.
Bayerisches Elektrohandwerk: „Die Klimaziele können so nicht erreicht werden“
Im Handwerk geht man davon aus, dass die Klimaziele in die Ferne rücken: „Wir sind immer für Technologieoffenheit, es ist aber ein falsches Signal, wenn die Förderung für kleine Anlagen komplett wegfällt“, sagt Konrad Rebholz, Vorstand der Innung des bayerischen Elektrohandwerks. „Die Klimaziele können dann nicht mehr erreicht werden: Das Ziel der Bundesregierung ist 80 Prozent erneuerbarer Strom bis 2030, davon soll die Photovoltaik etwa 30 Prozent beitragen – das schaffen wir nie, wenn es jetzt runtergeht“, sagt er. „Wir befürchten, dass sich die Zahl der verkauften Anlagen halbieren wird.“
Professorin Claudia Kemfert: „Schaden ist größer als der Nutzen“
Die Pläne bremsen die dezentrale Energiewende, warnt auch Energieökonomin Claudia Kemfert. „Kleine Photovoltaikanlagen sind häufig der Einstieg für ein ganzes Energiesystem im Haushalt - von der Wallbox über Speicher bis zur Wärmepumpe. Wenn sie wegfallen, verlangsamt sich der ganze Umbau“, sagt sie. „Der Schaden ist größer als der Nutzen.“
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