Nach dem Gefahrgut-Unfall: Was ist für eine Substanz, die die Verkehrsbehinderungen verursacht hat?
Stunden lang herrschte am Mittwoch Chaos auf den Straßen rund um Waldshut-Tiengen: Ein defekter Gefahrgut-Transporter, der just im Kreuzungsbereich B34/B500 abgestellt werden musste, hat dafür gesorgt, dass die Hauptverkehrsader bis in den Abend hinein gesperrt werden musste. In der Folge kam es auf den üblichen Umfahrungsstrecken durch die Wohngebiete und das Schulzentrum von Waldshut zu erheblichen Stauproblemen. Inzwischen gibt es genauere Erkenntnisse, vor allem darüber, worum es sich bei dem ausgelaufenen Stoff handelte.
Ungiftige Substanz tritt aus
Dass die ausgetretene Substanz für Menschen ungefährlich sei, hatte der Lörracher Polizeisprecher Thomas Batzel bereits kurz nach Beginn des Feuerwehreinsatzes auf Nachfrage unserer Zeitung betont. „Es handelte sich um Polydimethylsiloxan“, so Batzel am Tag nach dem Vorfall. Das ist ein Polymer auf Siliciumbasis, das aufgrund seiner Eigenschaften in vielen Lebensbereichen eingesetzt wird. In der Pharmazie ist es als Bestandteil von Medikamenten gegen Magen-Darm-Beschwerden oder gegen Kopfläuse bekannt, und in der Medizin ist es unter anderem in Gel vorhanden, das für Ultraschallaufnahmen verwendet wird.
Polydimethylsiloxan gilt als träge, reagiert laut Experten aber auf Wärme. Gleichzeitig ist es nicht wasserlöslich. Eben darum gestaltet sich auch die Beseitigung als recht aufwendig. Um auf Nummer sicher zu gehen, dass das ausgelaufene Material nicht in die Kanalisation gelangt, was wiederum aufwendige Vorkehrungen in der Kläranlage nach sich gezogen hätte, seien laut Verena Pichler, Sprecherin der Stadt Waldshut-Tiengen, zwei Mitarbeiter des Tiefbauamtes vor Ort gewesen, um die entsprechenden Gewässerschutzüberprüfungen vorzunehmen.
Feuerwehreinsatz dauert bis 20.20 Uhr
Die Beseitigung des ausgelaufenen Materials war aber nicht der einzige Grund, warum sich der Einsatz und die damit verbundene Straßensperrung massiv in die Länge gezogen habe. „Aufgrund des Lecks an dem Transport musste ein zweiter Lkw angefordert werden, in den das Material umgepumpt wurde“, so Pichler. Dieser musste aber erst von Freiburg nach Waldshut fahren.
Laut Polizei wurde der Straßenverkehr gegen 17.30 Uhr wieder vollständig freigegeben. Bereits ab 13.30 Uhr war eine einspurige Verkehrsführung an der Unfallstelle vorbei eingerichtet. Der eigentliche Feuerwehreinsatz dauerte allerdings noch bis 20.20 Uhr, so Pichler.
Alles in allem waren bis zu 40 Feuerwehrleute mit elf Fahrzeugen im Einsatz. Sechs Leute vom Rettungsdienst rückten nach der Alarmierung um 11.15 Uhr an, konnten aber schnell wieder zurückkehren.
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