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In den Schützentorturm kommt Leben: Hegauritter machen das historische Bauwerk zum Ausstellungsort

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21.03.2026

Ein Stück Radolfzeller Geschichte wird derzeit mit viel ehrenamtlichem Einsatz neu belebt: Der Mittelalterverein „Freie Reichsritterschaft Sankt Georgenschild“ arbeitet mit Hochdruck daran, den historischen Schützentorturm in der Altstadt denkmalgerecht zu renovieren, um ihn der Öffentlichkeit als Ausstellungsort zugänglich zu machen. Das Projekt wurde im Rahmen des Radolfzeller Bürgerbudgets 2025 von den Einwohnern am stärksten unterstützt. Unter 16 eingereichten Ideen erhielt es die meisten Stimmen. Für die Umsetzung stehen dem Verein daher nun 8000 Euro als Fördergelder von der Stadt zur Verfügung.

Geschichte der Ritterschaft sichtbar machen

Der Schützentorturm ist ein eindrucksvolles Relikt aus der Zeit, als Stadtmauern und Wehrtürme zum Schutz vor Angriffen dienten. Er wurde zwischen 1683 und 1685 am nordwestlichen Rand der Radolfzeller Altstadt errichtet und ist damit der jüngste der ehemaligen Stadttürme. „Viele Menschen wissen gar nicht, wie eng die Geschichte der Ritterschaft Sankt Georgenschild mit Radolfzell verbunden ist. Genau das möchten wir im Turm sichtbar machen“ erklärt Christoph Kenner, Vorsitzender des 2011 gegründeten Mittelaltervereins, mit Verweis auch auf das ehemalige Ritterschaftshaus, in dem heute das Amtsgericht untergebracht ist.

Geschichten aus der Bürgerschaft

Während der Arbeiten am Turm wurden dem Verein bereits mehrere spannende Geschichten rund um das Bauwerk zugetragen. Diese sollen später Teil der Ausstellung werden. Die  Hegauritter  sind weiterhin auf der Suche nach Erinnerungen, historischen Hinweisen oder Anekdoten aus der Bürgerschaft, die mit dem Schützentorturm verbunden sind. Wer solche beitragen kann, kann sich bei der Freien Reichsritterschaft St. Georgenschild in der Schützenstraße 6 in Radolfzell oder per E-Mail an info@Hegauritter.de melden.

Die Idee, den Schützentorturm zum Domizil für die Hegauritter auszugestalten, sei von Stadtplaner Thomas Noeken gekommen. „Wer übernimmt schon einen engen, schmalen  Turm, den man kaum nutzen kann“, so Christoph Kenner augenzwinkernd. „Da braucht es Idealisten wie uns“, macht er deutlich. Denn die Renovierung koste am Ende „einen Haufen Geld“. Man rechne mit 25.000 bis 30.000 Euro und stemme diesen Beitrag mit angesparten Einnahmen von den Mittelalterfesten auf Burg Wildenstein, die der Verein alle zwei Jahre ausrichte, erzählt der Chefritter.

Ein besonderes Stück Radolfzeller Geschichte

„Aber wir profitieren natürlich auch! Zum einen können wir unseren Verein mitten in der Stadt sichtbar machen, zum anderen gewinnen wir Lagerflächen für unser großes Vereinsequipment, denn aus brandschutztechnischen Gründen kann nur die erste der vier Etagen für Besucher genutzt werden“, unterstreicht Christoph Kenner.

Teil der künftigen Ausstellung soll neben Gegenständen der Ritterschaft auch ein besonderes Stück Radolfzeller Geschichte werden: die sogenannte Radolfzeller Kriegsflagge. Christoph Kenner stieß in einer alten Radolfzeller Stadtchronik auf eine entsprechende Abbildung. Die Flagge galt lange Zeit als verschollen, bis Mitglieder des Vereins sie bei eigenen Recherchen mit Hilfe von KI wiederentdeckten. Heute befindet sich eine solche Fahne im Museum im schweizerischen Appenzell. Dabei handelt es sich allerdings vermutlich um eine Kopie aus der Zeit um 1630. Für die Ausstellung im Schützentorturm lässt der Verein nun eine fachmännische Replik dieser historischen Fahne anfertigen.

Fast 600 Kilo Sondermüll

Doch zurück zur Turmrenovierung: „Wir sind auf der Zielgeraden“, berichtet der Oberritter. Seit September des vergangenen Jahres habe man bereits zahlreiche Arbeiten erledigt, bis auf die Elektrik alles in Eigenarbeit – dank der vielen Handwerker unter den Vereinsmitgliedern. Das begann mit dem Entfernen von Schutt und Taubennestern mit Schutzanzügen und Atemschutz. „Fast 600 Kilo Sondermüll haben wir beim Freilegen der Schießscharten rausgeholt“, berichtet Kenner. Dann galt es marode Balken und Bodenbretter auszutauschen.

„Jetzt sind wir mitten im Innenausbau, momentan am Schreinern, Gipsen und Streichen. Der Dachboden ist gedämmt, im dritten Oberschoss ein neuer Boden eingezogen. Die Stromleitungen wurden in den Boden verlegt, Treppen erneuert und neue Geländer geschreinert. „Aktuell warten wir noch auf die finale Entscheidung der Stadt, ob der Turm an Wasser und Abwasser angeschossen werden kann. Dann können wir auch eine Toilette einbauen.“

Wenn alles nach Plan läuft, soll der renovierte Schützentorturm dieses Jahr zum Altstadtfest am 12. September erstmals für Besucher geöffnet werden. Eine Feier soll schon tags zuvor stattfinden, denn am 11. September vor 620 Jahren wurde die Reichsritterschaft St. Georgenschild gegründet.

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© Südkurier