Die schöne Tausendjährige von der Hohenhausgasse
Läuft man durch die Konstanzer Altstadt-Gassen, so springen einem immer wieder kleinere und größere Fassadenbemalungen ins Auge. Aber nur wenige Wände sind vollkommen bemalt, wie die des Hauses „Zum goldenen Löwen“ in der Hohenhausgasse 3. In dem unscheinbaren Gässchen, etwas zurückgesetzt durch einen Hinterhof, steht ein turmartiges Gebäude. Den obersten Stock schmückt Fachwerk, die ganze restliche Fassade zieren detaillierte Malereien.
Erste Erwähnung in Dokumenten erst 1479
Die Einheimischen bemerken das Haus aus lauter Gewohnheit kaum noch, und Touristinnen verirren sich nicht unbedingt dorthin. Dabei hat es eine uralte Geschichte, die wahrscheinlich mehr als 1000 Jahre zurückreicht, wie ein Blick ins Stadtarchiv Konstanz zeigt. Die erste Erwähnung findet sich zwar erst 1479 in historischen Dokumenten, vermutlich wurde der sogenannte Wohnturm aber bereits im zehnten Jahrhundert erbaut. Als Sitz bischöflicher Marktbeamter oder Ausguck- und Beobachtungsposten vor den Stadtmauern, wie einst Oberarchivrat Otto Feger und Architekt Paul Motz feststellten. Die beiden gingen außerdem davon aus, dass der Wohnturm im 13. Jahrhundert völlig umgebaut und forthin als Geschlechterturm genutzt wurde, also als Zeichen des Wohlstands adliger Familien.
Über die Jahrhunderte wechselte der Turm regelmäßig seine Besitzer, bis er gegen 1580 vom Geheimen Rat und Obervogt zu Meersburg, Stephan Wohlgemut von Rutburg, aufgekauft wurde. Dieser beauftragte wohl den Maler Jakob Memberger zwischen 1580 und 1585 mit den kunstvollen Malereien von Feldfrüchten, singenden Putten und anderen Figuren. Auch das Wappen des Vogts ist zwischen den Fenstern des ersten und zweiten Stockwerks zu finden.
Stadtbild einst geprägt von solchen Wohntürmen
Inspiration für die damals hier noch unübliche Malerei kam laut der Deutschen Bodensee-Zeitung von 1936 vor allem aus Augsburg, Schaffhausen und Stein am Rhein, mit denen Konstanz enge Handelsbeziehungen unterhielt. In der zweiten Hälfte des Mittelalters war das Stadtbild geprägt von solchen Wohntürmen, heute sind allerdings in Konstanz nur noch zwei vollständig erhalten. Auch die Fassadenmalerei des Wohnturms „Zum goldenen Löwen“ wäre fast verfallen. Glücklicherweise wurden die Fresken jedoch 1938 mit einem neuen, sehr aufwendigen Verfahren abgelöst und konserviert.
Anhand dessen und kolorierten Fotografien von Kunstmaler Schmidt-Pecht wurde die Bemalung rekonstruiert und der gesamte Wohnturm von 1959 bis 1965 vollständig renoviert. So kann dieses besondere Gebäude mitten in Konstanz auch heute noch in aller Pracht bestaunt werden.
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