Gefährlicher Hunde-Trend: Warum Wolfshybride nicht als Haustiere gehalten werden sollten
Wer sich einen Hund ins Haus holen möchte, denkt zuvor vermutlich etwas länger über die Frage der Rasse nach: Wie groß soll der Hund sein, wie familienfreundlich muss er sein, soll es eher eine aktive oder gemütliche Rasse sein? Auch das Aussehen dürfte bei den meisten Hundehaltern ein entscheidender Faktor sein. Einige finden die Ähnlichkeit mancher Hunde zu Wölfen sehr ansprechend. Doch die Landestierschutzbeauftragte von Hessen und andere Instanzen warnen ausdrücklich vor dem Kauf von Wolfshybriden. Die Haltung ist nicht nur schwierig, sondern teilweise auch illegal.
Was sind Wolfshybride?
Laut einer Pressemitteilung der Landestierschutzbeauftragten Hessen sind Wolfshybride Mischlinge aus Hund und Wolf – was jedoch nicht bedeutet, dass sie wie ein Wolf aussehen und sich wie ein domestizierter Hund benehmen. Im Gegenteil: „Wolfshybride lassen sich nicht wie Hunde halten und erziehen“, erklärt die Landestierschutzbeauftragte Madeleine Martin. Wolfs-Hund-Mischlinge seien scheuer, ängstlicher und territorialer als gewöhnliche Hunde und reagieren intensiver auf Umweltreize. Ihr ausgeprägter Jagd- und Beutetrieb könne außerdem eine Gefahr für andere Tiere darstellen. Das Verhalten dieser Tiere sei oft unberechenbar, tendiere jedoch meist zum instinktiven Verhalten von Wölfen, sagt Martin.
Rechtliche Lage: Darf man Wolfshybride als Haustier halten?
Wie der Verein Welttierschutzgesellschaft erklärt, gelten die sogenannten Wolfshybride oder Wolfshunde der ersten bis vierten Generation als Wildtiere und stehen unter dem gleichen Artenschutz wie Wölfe. Ihre Haltung unterliegt einer strengen Reglementierung – etwa große Außengehege, richtige Vergesellschaftung und passende Fütterung. In privater Haltung ist das meist kaum umsetzbar.
Wer in Deutschland einen Hybrid der ersten bis vierten Generation ohne behördliche Genehmigung hält oder züchtet, macht sich strafbar. Erst ab der fünften Generation gelten die Tiere rechtlich als Haustiere – und unterliegen damit keiner artenschutzrechtlichen Regelung mehr, wie ARD alpha informiert. Nur deshalb sei die Haltung und Zucht von domestizierten Hybriden überhaupt erlaubt.
Dennoch gibt es laut der Pressemitteilung der Landestierschutzbeauftragten auch bei Wolfshybriden ab der fünften Generation weiterhin Tierschutzgesetze und Regelungen zur Gefahrenabwehr. Nicht die Generation, sondern das Verhalten des einzelnen Tieres sei entscheidend.
Gefährlicher Hunde-Trend: Dubioser Handel mit Wolfshybriden
Wegen der strengen Vorschriften gibt es laut der Welttierschutzgesellschaft in Deutschland nur wenige Züchter von Wolfshybriden. Dennoch wachse das Interesse an Tieren, die möglichst wolfsähnlich sind – mit besorgniserregenden Folgen: Die Nachfrage nach Wolf-Hund-Mischlingen führe zu einem illegalen Markt in Europa, auf dem Hybriden mit hohem Wolfsanteil, oft aus den USA, gehandelt werden.
Auch die Landestierschutzbeauftragte Martin berichtet, dass der Verkauf von Hybrid-Welpen, meist im Ausland, ein einträgliches Geschäft sei. Dabei würden die Tiere oft von dubiosen Papieren begleitet werden, „die sie als Hunde ausweisen sollen und die zuweilen für 20 Euro im Internet angefertigt werden können“. Wie viele Wolfsmischlinge es in Deutschland gibt, ist laut ARD alpha nicht bekannt. Experten schätzen demnach, dass es rund 1000 bis 2000 Tiere sind (Stand: 2021).
Warum Wolfshybride nicht als Haustiere gehalten werden sollten
Aufgrund der Eigenschaften der Wolf-Hund-Mischlinge rät Martin dringend vom Kauf solcher Tiere ab: Die private Haltung überfordere Halter meist völlig, führe oft zu tierschutzwidrigen Zuständen und könne Menschen sowie andere Tiere gefährden. Häufig ende dies mit der Abgabe oder Beschlagnahmung der Tiere. Doch ARD alpha zufolge sind Tierheime nicht für Wolfshybride geeignet und Auffangstationen für solche Arten gibt es kaum. Am Ende müssten die Tiere häufig eingeschläfert werden.
Auch die Welttierschutzgesellschaft rät aus Tierschutzsicht von der privaten Haltung von Wolf-Hund-Hybriden ab. Selbst die Haltung jener Tiere, die hierzulande legal gehalten werden dürfen, sei äußerst anspruchsvoll. Sehr erfahrene Hundehalter würden oft an ihre Grenzen stoßen, wenn es um eine artgerechte Haltung geht. Das würde häufig zu leidenden Tieren führen. Problematisch sieht der Verein zudem die unkritische Darstellung der Mischlinge in sozialen Netzwerken, da solche Beiträge den bedenklichen Trend weiter verstärken.
Laut dem Verein werden unter Hashtags wie #wolfdog oder #wolfshybrid auf Instagram, Facebook oder X (ehemals Twitter) millionenfach Bilder und Videos von Wolf-Hund-Hybriden gelikt, kommentiert und gefeiert. Das sei problematisch, weil ohne Angaben zu Herkunft oder Generation der Tiere das oft große Leid hinter dieser Haltung ausgeblendet werde. Statt unkritischer Begeisterung brauche das Thema in sozialen Netzwerken eine klare, kritische Einordnung.
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