Flughafen Friedrichshafen erhält Millionen-Hilfe trotz Bedenken im Gemeinderat
„So viel Besuch haben wir nicht immer“, sagt Oberbürgermeister Simon Blümcke zu Beginn der Sitzung. Mit Blick auf die Zuschauerreihen wird deutlich: Das Interesse am Bodensee-Airport ist groß. Am Montag hat der Gemeinderat darüber entschieden, ob der Flughafen bis 2028 eine städtische Finanzspritze von bis zu einer Million Euro jährlich erhält.
Zuvor berichten die beiden Geschäftsführer Detlef Schäfer-Caroll und Claus-Dieter Wehr über die aktuelle Situation des Flughafens. Das laufende Jahr sehe „sehr gut“ aus. Mit knapp 42.000 Passagieren verzeichne der Airport ein Plus von 60 Prozent zum Vorjahr. Auch die Flugbewegungen seien gestiegen. Insbesondere Veranstaltungen wie das Weltwirtschaftsforum in Davos hätten dazu beigetragen. Auch neue Angebote von Air Uniqon und Ryanair entwickeln sich stabil, die Auslastung sei zuletzt bei beiden gestiegen. Gleichzeitig könnten sich geopolitische Entwicklungen und Engpässe in der Kerosinlieferung kurzfristig auswirken.
Grüne und Netzwerk warnen vor dauerhaften Subventionen
In der anschließenden Debatte gehen die Meinungen auseinander. In einer gemeinsamen Erklärung von CDU, Freie Wähler, FDP und SPD sprechen sich die Fraktionen für eine „Unterstützung aus Überzeugung“ aus. Am Beispiel des Medizin Campus Bodensee sehe man, dass Risiken und Zahlungen nicht mit einer Insolvenz enden. Diese wolle man „um jeden Preis vermeiden“. Außerdem sei der Flughafen für den Wirtschaftsstandort unverzichtbar und der Betrieb habe sich zuletzt verbessert. Die Fraktion baue auf ein Dreibein aus Unterstützung: Stadt, Landkreis sowie die Geschäftsführung und private Wirtschaft.
Kritik gab es aus dem Lager der Grünen und des Netzwerks Friedrichshafen. Sie zweifeln an der langfristigen Perspektive und warnen vor dauerhaften Subventionen. Regionalflughäfen seien vielerorts defizitär, zudem stelle sich die Frage nach stabilen Passagierzahlen und der Klimaverträglichkeit. Öffentliche Gelder sollten nicht dafür eingesetzt werden, Wochenendtrips nach Mallorca zu finanzieren oder innerdeutsche Verbindungen von Bus und Bahn in den Flugverkehr zu verlagern. Die AfD spricht sich für die Unterstützung aus und warnt, ein Rückzug der öffentlichen Hand sei ein falsches Signal.
Räte stimmen mehrheitlich für weitere Unterstützung
Simon Wolpold (Netzwerk) fragt, welche Folgen ein Ausbleiben des Engagements privater Akteure hätte. Geschäftsführer Schäfer-Carroll weist darauf hin, man wolle in der Wirtschaftsplanung nicht über „Was wäre, wenn“-Szenarien reden. „Wenn wir zu wenig oder gar kein Geld bekommen, ist der Weg vorgegeben“, sagt er dennoch. Am Ende folgt die Mehrheit der Räte dem Verwaltungsvorschlag: Mit 25 Ja-Stimmen bei 10 Gegenstimmen wird die weitere Unterstützung beschlossen.
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