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„Mit Lachen kann man sich selbst retten“

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04.07.2026

Herr von Wagner, die Kabarett-Show„Die Anstalt“ steht nun bei 100 Ausgaben. Provokante Frage: Macht denn so eine Sendung in Zeiten der bittersten politischen Realsatire eigentlich noch Sinn?

CLAUS VON WAGNER: Tatsächlich höre ich oft, dass sowieso schon alles Realsatire ist und man da nicht auch noch zuspitzen muss. Dazu erst mal etwas Ketzerisches: Es gibt keine Realsatire! Satire ist immer noch eine künstlerische Überformung der Realität. Der Punkt ist aber der: Realität scheint schon so stark überzeichnet, dass es nicht noch jemanden braucht, der da was darauf setzt und sie noch absurder macht. Die Aufgabe von Satire hat sich deshalb verändert.

VON WAGNER: Früher musste man ein Thema anzünden, damit überhaupt eine Debatte entsteht. Heute gibt es so viele wilde Debatten, dass man nicht noch Öl ins Feuer gießen muss, wir also eher eine einordnende Funktion haben. Wir machen also keinen Witz mehr über eine Schlagzeile, sondern erklären, wie es zu dieser Schlagzeile gekommen ist. Beispielsweise: Wie ist das Dilemma mit der Rente entstanden? Wir versuchen dann, mit Mitteln des Humors angesichts komplexer Themen die Eintrittsschwelle möglichst niedrig zu halten.

Wie haben sich die Faktenlage und die Reaktion der Kritiker in den Jahren verändert?

VON WAGNER: Es gab auch früher in den 70er Jahren schon ein Kabarett, das mit Fakten und Statistiken gearbeitet hat. Da gibt es, zeitlich gesehen, Wellenbewegungen. Manchmal wird eher das Dadaistisch-Lustige, dann wieder das Politisch-Ernsthafte betont. Was die Kritiker angeht, die behaupten ja seit Jahr und Tag, dass das Kabarett eh nur diejenigen erreichen würde, die ohnehin schon überzeugt sind…

Das ist vermutlich nicht ganz falsch, oder?

VON WAGNER: Das lasse ich aber nicht als ‚nur schlecht‘ stehen. Klar ist das so, andererseits habe ich kürzlich mal in Erfurt gespielt und da waren über 400 Menschen im Publikum, die haben sich umgeschaut und waren froh, dass es in dieser Stadt außer ihnen selbst auch noch andere gibt, die ihrer Meinung sind. Weil sie vorher das Gefühl hatten, mit ihrer tendenziell linken Meinung in der Minderheit zu sein.

Was halten Sie von Kabarettistinnen wie etwa Monika Gruber, die die gesellschaftlich-politische Situation sehr speziell wahrnimmt und behauptet, sie dürfe ihre Meinung nicht mehr kundtun?

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© Südkurier