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„Ich bin eine echte Kämpferin“: Sängerin Nicole ging durch dunkle Zeiten

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30.06.2026

Hallo Nicole, auch wenn er schon ein paar Tage zurückliegt. Was sagen Sie zum Ausgang des Eurovision Song Contest (ESC) in diesem Jahr?

NICOLE: Tja? Was soll ich sagen? Sarah Engels, meine ich, hätte schon besser platziert werden müssen als Platz 23. Aber ich kann seit fast 20 Jahren die Top-3-Songs nicht mehr vorhersagen. Früher konnte ich das. Seit die Ostblockstaaten dazu gekommen sind, hat sich das Voting stark verändert. Für mich ist es seitdem nicht mehr berechenbar. Ich verstehe auch die Kriterien nicht. Oft denke ich mir – hä? – das Stück hätte ich gar nicht auf dem Radar (sie lacht).

Spielt die Qualität der Songs noch eine Rolle oder geht es nur mehr um die skurrilste Show?

NICOLE: Ich vermute, es geht immer mehr in die Richtung: Wer macht die irrste Show. Ich habe schon gesagt, man sollte den ESC umbenennen – in European Show Contest. Dann würde es wieder passen, und man müsste nicht einmal das Kürzel ändern. Denn der ESC ist ja eigentlich ein Lieder- Autoren und Komponistenwettbewerb, aber davon ist nicht mehr viel übriggeblieben.

Wie hat Ihnen das Siegerlied gefallen?

NICOLE: Ich habe es nicht im Ohr und könnte darum nicht einmal den Refrain nachsingen.

Bulgarische Popmusik hat man ja auch gar nicht so auf dem Schirm.

NICOLE: Nein, tatsächlich nicht.

Mit „Bangaranga“ schafft es aber erstmals seit 14 Jahren wieder ein Siegertitel des Eurovision Song Contest an die Spitze der deutschen Single-Charts.

NICOLE: Vielleicht sollte ich mir den Song doch noch einmal genauer anhören, denn ich habe den ESC eher nebenbei verfolgt. Wenn es die Nummer aber in Deutschland auf die Eins geschafft hat, dann hat der Song auch seine Berechtigung.

Wo und wie sieht denn eine ehemalige ESC-Gewinnerin wie Sie die Veranstaltung an?

NICOLE: Mein Mann und ich waren bei Freunden zum Essen eingeladen und nebenher lief der ESC.

Was macht Deutschland eigentlich falsch, dass die Künstlerinnen und Künstler so oft auf den hinteren Plätzen landen?

NICOLE: Na ja, wir hatten vor acht Jahren den Michael Schulte, der, soweit ich mich erinnern kann, den vierten Platz belegte. Der hatte keine große Show, aber ein sehr starkes Lied. Und er ist ein toller Sänger, der jeden Ton trifft. Vor allem hatte der Song „You Let Me Walk Alone“ auch eine Botschaft. Er ist eine Hommage an seinen verstorbenen Vater. Es geht um Verlust, Trauer und den schmerzhaften Umstand, wichtige Meilensteine im Leben, ohne den geliebten Menschen bestreiten zu müssen. Das war ein Titel, der hat mein Herz berührt und ich hatte Gänsehaut. Ich behaupte nach wie vor: Ein gutes Lied kommt auch ohne große Show aus!

Der deutsche Beitrag hatte eine Show. Wie fanden Sie das........

© Südkurier