So lernen Kindergartenkinder spielerisch den Umgang mit Ressourcen
Woher kommt unser Obst? Schätzen wir die Dinge in unserem Leben genug? Was bedeutet eigentlich fasten? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigt sich die Kindertagesstätte In der Mühle in Murg im Rahmen des Projekts „Klimafasten - 40 Tage weniger“ der Erzdiözese Freiburg. Seit Beginn der christlichen Fastenzeit am Aschermittwoch lernen die Kinder hier spielerisch in 40 Tagen ein Bewusstsein für ihren Umgang mit Lebensmitteln, Gegenständen und Mitmenschen zu schaffen.
Ergänzung der bereits nachhaltigen Erziehung
Schon vor dem Projekt war Nachhaltigkeit ein wichtiger Bestandteil der Kindertagesstätte, wie Leiterin Julia Lüthi erklärt. Die Kita In der Mühle sei die Erste, die sich der Initiative fair.nah.logisch angeschlossen hat. Die Initiative der Erzdiözese Freiburg unterstützt seit 2016 Einrichtungen dabei, ihren Konsum an öko-fairen Kriterien auszurichten. Dazu gehören fair gehandelte, hauptsächlich regionale Produkte. Auch auf biologisch angebaute Lebensmittel wird geachtet.
Die erstmalige Teilnahme an dem Projekt „Klimafasten - 40 Tage weniger“ sei laut Lüthi also kein komplett neues Konzept für die Kinder. Vielmehr würde es das bisherige Leitbild der Einrichtung ergänzen und abrunden. Die Kinder bauen in den Beeten der Einrichtung bereits ihr eigenes Gemüse an, erzählt sie. Daraus werden unter anderem Zucchinikuchen und Marmelade gemacht. Aber auch die Kita-Kaninchen Schlappi und Wurzel würden von dem Anbau profitieren – für sie gibt es frische Möhren.
Gemeinsam mit den Kindern ein Bewusstsein schaffen
Die Fastenzeit sei ein wichtiges Thema für die christliche Einrichtung. Lüthi erklärt, dass sie den Kindern zunächst ein Bewusstsein für die Dinge in ihrem Alltag schaffen wollen. Die Kinder in Deutschland hätten im Gegensatz zu denen in anderen Ländern zum Beispiel oft das Privileg, mit vielen Spielsachen aufwachsen zu dürfen. Die Kinder werden dazu angeregt, darüber nachzudenken, mit wie vielen davon sie tatsächlich spielen. „Vor der Kita gibt es auch eine Tauschbox. Wenn die Kinder wollen, können sie dort Spielzeug, das sie nicht mehr benutzen, hineinlegen und anderen eine Freude machen“, erklärt die Leiterin der Kita. Im Allgemeinen würden die Kinder immer selbst entscheiden dürfen, welches Angebot sie innerhalb, wie auch außerhalb des Projekts wahrnehmen wollen, betont Lüthi.
Änderungen im Speiseplan regen Diskussionen an
In Bezug auf das Essen musste die Kita nur kleine Anpassungen vornehmen. Das Unterthema des Projekts „Klimafasten – 40 Tage weniger“ ist „Fleischreduktion fürs Klima“. Der Speiseplan der Einrichtung beinhalte ohnehin nur einmal in der Woche ein Fleischgericht, wie Lüthi mitteilt. Auch hier werde darauf geachtet, Biofleisch zu verwenden. Für die Fastenzeit wird das Gericht allerdings trotzdem zugunsten eines vegetarischen Essens ausgetauscht. „Es regt zur Diskussion an: ‚Wie? Kein Fleischgericht mehr?‘ Man merkt also, das Thema wird bewusst gemacht“, erklärt die Leiterin der Kita.
Eigenständiges Informieren
Für jede der sieben Wochen gibt es ein Thema, mit dem sich die Kinder beschäftigen. Sie werden vor allem in Kleingruppen besprochen. Im Erdgeschoss befindet sich ein Infostand für die Kinder, bei dem sie Materialien mit in die Spielgruppen nehmen können. „Nach dem Frühstück unten nehmen die Kinder gerne was von dem Stand mit hoch in die einzelnen Gruppen. Ich glaube, für das Thema der Woche sind bereits alle Materialien irgendwo in den Gruppen im Umlauf“, erzählt Lüthi lachend. Bei den Materialien handelt es sich beispielsweise um Bilderserien, die über die Herkunft der Lebensmittel informieren.
Auch in den normalen Kita-Alltag werden die Themen eingebaut. „Wir schauen immer: Worüber sprechen die Kinder gerade?“, erklärt Lüthi, „Neulich schauten die Kinder in den Himmel: ‚Was fliegt denn da?‘ Das haben wir aufgegriffen: Fliegt man in den Urlaub oder nimmt man den Zug oder das Auto oder doch das Fahrrad?“ Die Kinder überraschten die Erzieher auch teilweise mit eigenem Wissen, das aus den Familien in die Kita gebracht wird und so zu Diskussionen anrege.
Zustimmung der Kinder gegenüber dem Projekt
Die Kinder seien grundsätzlich immer offen und neugierig für die Themen, Ablehnung gebe es nahezu keine. Manche Eltern würden dem Projekt in manchen Bereichen kritisch begegnen, so vor allem beim Speiseplan. „Wir zwingen natürlich niemanden, etwas zu tun. Wenn es den Eltern wichtig ist, haben die Kinder ja auch zu Hause die Möglichkeit, noch Fleisch zu essen“, erklärt Lüthi.
Am Freitag, 13. März, besucht das Klimamobil der Kolping Stiftung zusätzlich die Kita In der Mühle. Hier können die Kinder alles über das Thema Wald und Baumvielfalt lernen. Ab 12 Uhr haben auch Besucher von außerhalb noch eine Stunde die Möglichkeit, sich das Mobil anzuschauen.
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