Das Leid des sedierten Menschen: Bregenzer Festspiele zeigen eine moderne Passionsgeschichte
Die Szene erinnert an Science-Fiction-Entwürfe, in denen der Mensch sich längst von der Natur abgekoppelt hat und zur Marionette der eigenen Maschinen geworden ist: Menschen in steriler weißer Kleidung sitzen sauber aufgereiht auf Podesten, angeschlossen an Schläuche. Um sie herum wachsen perfekt geformte Salatköpfe in Regalen. Erde ist nicht zu sehen, aber es ist davon auszugehen, dass diese Salatköpfe unter optimalen Licht-, Luft- und Temperaturbedingungen heranwachsen - so wie sich auch die Menschen selbst dank ständiger Infusion in einem wohltemperierten Dauerzustand gleichförmiger Zufriedenheit befinden.
Das ist die Ausgangssituation von „Passion of a Common Man“ - eine Art moderne Passionsgeschichte, die nun im Rahmen der Bregenzer Festspiele auf der Werkstattbühne in englischer Sprache uraufgeführt wurde. Bezugs- und Ausgangspunkt für die Komposition von Daníel Bjarnason (Musik) , Royce Vavrek (Text) und Netia Jones (Inszenierung, Design) waren die berühmten Passionen von Johann Sebastian Bach (Matthäuspassion und Johannespassion) und die Frage, wie eine Passionsgeschichte heute aussehen könnte, wenn sie nicht speziell die Geschichte von Jesus erzählt, sondern nach Entsprechungen für Leid und Opferbereitschaft in einer säkularisierten Welt sucht.
Die Antwort legen sie in eine nicht allzu ferne Zukunft. Hier sind all die Katastrophen früherer Zeiten - die große Hitze der........
