Führungswechsel im Polizeirevier Stockach: Wolfgang Widmann geht in den Ruhestand
Ein Polizeirevier leiten, das war für Wolfgang Widmann immer die Königsdisziplin in der Polizistenlaufbahn. Vor sechs Jahren durfte er diese Herausforderung im Stockacher Polizeirevier annehmen. Nun steht die Übergabe des Staffelstabs an - und das drei Monate später als ursprünglich geplant. Eigens wegen der Fasnacht.
„Man kann hier nicht an Fasnacht Feierabend machen“, sagt Widmann lächelnd mit Blick auf das Jubiläumsjahr des Stockacher Narrengerichts und dem großen Narrentreffen sowie dem Jubiläum der Stierzunft und fügt hinzu: „Es fühlte sich einfach nicht richtig an in dieser Zeit zu gehen, zumal die Planungen dafür schon lange im Voraus gelaufen sind.“ Da habe er sich nicht in der heißen Phase zurückziehen wollen, macht der Pragmatiker deutlich.
Am letzten Arbeitstag wird viel Wehmut dabei sein
Dabei merkt man, wie sehr ihm Stockach ans Herz gewachsen ist. „Ich bin vom ersten Tag, bis heute, jeden Tag gerne nach Stockach gekommen. Da wird am letzten Arbeitstag viel Wehmut dabei sein“, sagt Widmann. Die Startvoraussetzungen seien gut gewesen, wenngleich sein Amtsantritt am 1. März 2020 direkt mit dem Beginn der Corona-Pandemie zusammenfiel. „Ich hatte trotzdem von Anfang an ein gutes Gefühl. Mein Vorgänger Gerhard Buchstab hat mir aber auch ein gut bestelltes Feld überlassen“, sagt Widmann.
Daneben habe ihm einfach auch der Menschenschlag hier in der Region zugesagt. „Die Leute hier sind ein fleißiges, schaffiges Völkchen und einfach sehr liebenswert. Fast wie Schwaben, auch wenn sie das nicht gerne hören“, sagt der gebürtige Spaichinger mit einem verschmitzten Grinsen. Schnell habe er gemerkt, dass er hier auf gute Zusammenarbeit mit den Gemeindeverwaltungen, aber auch mit den Vereinen zählen kann.
Revier umfasst ein Drittel des Landkreises
Der Stockacher Revierbereich umfasst die Gemeinden Bodman-Ludwigshafen, Eigeltingen, Orsingen-Nenzingen, Mühlingen, Hohenfels und Stockach. Flächenmäßig immerhin rund ein Drittel des Landkreises Konstanz. Als er die Möglichkeit bekommen habe, in Stockach die Revierleitung zu übernehmen, habe Widmann deshalb nicht lange überlegen müssen. Zumal die Übernahme eines solchen Postens schon immer sein Wunsch gewesen sei.
Am Berufsbild hat sich viel verändert
In den 43 Jahren seit Widmanns Dienstantritt bei der Polizei am 1. März 1983 hat sich indes viel am Berufsbild verändert. „Wir haben heute viel mehr Einsatzmittel zur Verfügung“, erzählt er. Das beginnt bei Schutzwesten, die es früher nicht gegeben habe und die heute zur Standardausrüstung zählen. Auch habe es damals noch keine Möglichkeit gegeben, Daten zentral abzufragen. Wenn die Beamten außerhalb der Dienstzeiten Daten mit dem Einwohnermeldeamt abgleichen wollten, musste jemand mit dem Schlüssel ins Rathaus und in der Kartei nachsehen, erzählt er und fügt hinzu: „Ich bin auch noch mit Schreibmaschine aufgewachsen.“ Erst in den 90er-Jahren seien bei der Polizei die ersten Computer in den Revieren eingezogen. „Das hat die Arbeit beschleunigt, vereinfacht und professionalisiert“, sagt Widmann. Er habe auch erlebt, wie die ersten Frauen in die Polizei aufgenommen wurden. „Das war erst 1988“, erinnert er sich.
Immer mehr Angriffe auf Polizisten
Und noch etwas habe sich verändert: „Als ich ein junger Wachtmeister war, waren Angriffe auf Polizeibeamte sehr selten“, sagt Widman. Heute kommen Beleidigungen und Verletzungen von Beamten immer häufiger vor. Immerhin: im Stockacher Raum genieße die Polizei noch großen Respekt. „Man hat das Gefühl, die Polizei ist hier noch eine Institution, der man vertraut“, sagt er. Ihm sei immer wichtig gewesen, in dieses Vertrauen zu investieren. Dadurch, dass sich die Beamten Zeit nehmen für die Menschen und ihre Anliegen. Das sei natürlich in einem Revierbereich wie Stockach mit einer geringeren Einsatztaktung als in Konstanz eher möglich. „Die Gegebenheiten hier ermöglichen es noch, wirklich Freund und Helfer für die Menschen zu sein“, sagt Widmann.
Auch wenn sich im Berufsbild in den vergangenen 40 Jahren viel verändert hat, Widmann würde sich jederzeit wieder für den Beruf entscheiden. Und das, obwohl er auch viele herausfordernde Situationen erlebt hat. Etwa den Fall aus Hohenfels, bei dem ein 35-Jähriger einen Mann mit einer Axt getötet und anschließend dessen beide Kinder angegriffen hatte oder den Mordfall, bei dem eine 24-Jährige mitten in Stockach getötet wurde sowie der Fall der noch immer vermissten Jasmin M. aus Eigeltingen.
Präventionsarbeit trägt Früchte
Doch es gebe auf der anderen Seite auch viele positive Entwicklungen. „Wir hatten etwa beim Schweizer Feiertag das zweite Jahr in Folge so gut wie keine Vorkommnisse mehr, bei denen es zu größeren Verstößen kam“, sagt Widmann. Auch die Narrentreffen seien ohne größere Vorkommnisse verlaufen. Laut Widmann sei dies nicht zuletzt einer umfassenden Präventionsarbeit der Polizei zu verdanken.
Wie es mit der Revierleitung in Stockach ab dem 1. Juni weitergeht, stehe indes noch nicht fest. Die Stelle für seine Nachfolge sei noch ausgeschrieben, sagt Widmann. Wenn er sich für seine Kollegen etwas für die Zukunft wünschen dürfte, dann wäre es, dass das Stockacher Revier in mindestens gleicher Personalstärke weiterarbeiten kann und der Vorschriften-Dschungel und die Bürokratie etwas zurückgestutzt werden.
Im Laufe seines Berufslebens hat Widmann viele Stationen durchlaufen. Dazu zählte etwa eine Einsatz-Hundertschaft in Lahr, dann Tätigkeiten in den Polizeirevieren Sindelfingen und Tuttlingen. Von 1997 bis 2000 absolvierte er ein Studium an der Hochschule für Polizei zum Diplom-Verwaltungswirt (FH) Polizei, danach ging es zur Autobahnpolizei in Weil am Rhein. Anfangs habe er sich mit dieser Station schwergetan, doch rückblickend habe er auch in dieser Zeit viel für sein weiteres Berufsleben gelernt und mit einigen Kollegen von damals halte er bis heute Kontakt. Später wurde er Dienstgruppenleiter des Streifendienstes beim Polizeirevier Spaichingen. Vor seinem Einsatz in Stockach war Widmann Referent für Personal und Organisation in der Polizeidirektion Tuttlingen und dann Leiter der Stabsstelle Zentrale Dienste beim Polizeipräsidium in Tuttlingen. Als dieses aufgelöst wurde, bekam er zunächst eine Aufgabe im Polizeipräsidium Konstanz, von wo aus er wenig später nach Stockach wechselte.
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