menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Ihr Sohn Gino starb bei der Tour de Suisse: Wie Sandra Mäder sein Andenken bewahren will

16 0
16.06.2026

Damals, als Gino noch lebte, als er noch ein Junge war, fuhr Sandra Mäder mit ihm und seinen drei Schwestern mit dem Zug zum Eichhörnchenwald nach Davos. Dort angekommen wagte sich aber keines der possierlichen Tierchen hervor. „Seither wurde ich immer gefoppt nach dem Motto: Ja, die Mami sucht Eichhörnchen auf dem Land, dabei gibt es die doch überall in der Stadt.“ Sie schmunzelt bei der Erinnerung.

Es ist ein Donnerstagmorgen, der letzte im August. Im „B5“, einem Café in Burgdorf nahe Bern, sind die meisten Plätze belegt. Sandra Mäder trägt ein schwarzes Jackett, darunter eine weiße Bluse. Im Hintergrund läuft Musik, die kaum durch das Stimmengewirr dringt.

Die 51-Jährige ist im Außendienst bei einer Versicherung tätig. „Es tut mir gut“, sagt sie, rührt mit dem Löffel im Cappuccino, und beginnt von den Tagen zu erzählen, an denen ihr Sohn beim größten Radrennen der Schweiz, der Tour de Suisse, tödlich verunglückte.

Abfahrt vom Albula-Pass

Gino Mäder galt als Kletterspezialist. Zu seinen größten Erfolgen gehörten Etappensiege beim Giro d‘Italia und bei der Tour de Suisse 2021. In diesem Sommer wollte sich der Fahrer des Teams Bahrain Victorious erneut bei der Schweiz-Rundfahrt beweisen und damit für die Tour de France empfehlen.

Auf der Abfahrt vom Albula-Pass zum Zielort La Punt kommt er zu Fall. Warum genau, ist bis heute unklar. Vielleicht lag ein Stein auf der Straße, vielleicht war es ein Fahrfehler – welche Rolle spielt das schon. Gino stürzt in eine Schlucht, beim Eintreffen der Rettungskräfte liegt er reglos im Wasser.

Er muss wiederbelebt werden und wird in eine Klinik nach Chur geflogen. Die Schweiz, die Radsportszene weltweit bangt um das Leben des jungen Mannes. „Ich hatte an dem Tag ein Essen, ein Event, zu dem die besten Verkäufer der Krankenkasse, für die ich da noch gearbeitet habe, geladen waren“, erzählt Sandra Mäder.

Am Tag zuvor hatte ihr Urlaub begonnen. „Ich bin zur Tour de Suisse gefahren, habe mit Gino auch wegen meines Termins gesprochen, ihn gefragt, ob ich den nicht besser absagen sollte“, erinnert sie sich. „Er meinte aber, ich solle da hingehen, das hätte ich mir schließlich verdient.“

Ein Tag mit Vorahnungen

„Ob Sie mir das glauben oder nicht, den ganzen Tag über war ich nervös. Ich wusste gar nicht weshalb. Und dann hat mich noch einer gefragt, ob Gino bei der Tour de France dabei sein werde. Und ich habe geantwortet, dass man das nie genau wissen könne. Ein Sturz – und alles kann vorbei sein. Das hab ich gesagt.“

Sie fährt heim, macht den Fernseher an, verfolgt die Etappe, macht den Haushalt nebenher. Glaubt ihren Sohn gesehen zu haben, wie er durchs Ziel fährt. „Dann bekam ich die erste SMS-Nachricht mit der Frage, wie es Gino gehe.“ Sie wundert sich, denkt sich, dass........

© Südkurier