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Annette Dittert: „Der Flirt mit dem rechten Rand ist zerstörerisch“

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Frau Dittert, Sie leben seit fast 18 Jahren in London. Nun sind Sie mit Ihrem Buch „Dear Britain“ auf Lesetour in Deutschland. Wie erleben Sie Ihre Heimat?

ANNETTE DITTERT: Ich war lange nicht in Deutschland und muss sagen: Ich erlebe es als ein Land, in dem noch sehr viel funktioniert – gerade, wenn ich es mit Großbritannien vergleiche. Ich weiß um die Probleme, trotzdem bin ich überrascht, dass die Stimmung hier so schlecht ist.

In Großbritannien ist sie schlechter?

DITTERT: In Großbritannien – vor allem, wenn man London hinter sich lässt – sind zum Beispiel viele Geschäfte in den Innenstädten zugenagelt, selbst größere Ketten haben dichtgemacht. Und das ist nur das Offensichtliche. Die soziale Schere klafft in Großbritannien deutlich stärker auseinander als in Deutschland.

Das Großbritannien-Bild der Deutschen ist ein anderes: Royals, Traumküsten wie in den Pilcher-Filmen, James Bond.

DITTERT: Diese Klischees sitzen tief. Vom „Afternoon Tea“ bis zum exzentrischen Adeligen: Es existieren verkitschte Vorstellungen, an denen die Briten selber mit schuld sind. Aber ich erlebe in meinen Lesungen ein großes Interesse an Großbritannien, das weit darüber hinaus geht. Es besteht ein Bedürfnis, mehr zu wissen über ein Land, in dem rund um das Brexit-Referendum vom 23. Juni 2016 der Rechtspopulismus voll ausgebrochen ist. Und das ein wenig früher als Deutschland Erfahrungen damit sammeln musste. Meine Lesungen sind regelmäßig bis auf den letzten Platz ausgebucht.

Ihr Buch stieg auf Platz eins der „Spiegel“-Bestsellerliste ein. Was wollen die Menschen von Ihnen wissen?

DITTERT: Wie geht es politisch weiter in Großbritannien? Wie kann es sein, dass ein Rechtspopulist wie Nigel Farage mit seiner Partei Reform UK in den Umfragen vorne liegt, obwohl eine Mehrheit der Briten inzwischen sieht, dass der Brexit – der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU – ein Fehler war? Der Brexit war wie ein Brandbeschleuniger. Er hat bestehende, auch strukturelle Probleme Großbritanniens noch einmal verschärft. Das merkt man überall. Die britische Finanzministerin hat neulich........

© Südkurier