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Alle wollen die roten Schoten: Ein Besuch in der Reichenauer Paprikakolonie im Hegau

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08.04.2026

Clemens Blum ist seit 2011 einer von fünf Inhabern der Reichenauer Gärtnersiedlung in Beuren an der Aach im Hegau. Der Zierpflanzengärtner schwenkte als einziges von drei Kindern in dritter Generation auf den Gemüseanbau um und stieg in den elterlichen Betrieb ein.

In den gigantischen Glashäusern wachsen auf acht Hektar rote, gelbe, orangefarbene und grüne Block- sowie Spitzpaprika auf Kokossubstrat in hängenden Rinnen. Dadurch entfällt das Jäten. Die Setzlinge vom Reichenauer Festland wurden im Januar gepflanzt und gedeihen mit natürlichem Licht und Tropfbewässerung.

„Wir gewinnen 70 Prozent des Wassers von den Dächern der Gewächshäuser über Regenrückhaltebecken und 30 Prozent aus der Aach“, erklärt Blum. Dank eines Kreislaufs gehen weder Flüssigkeit noch Düngenährstoffe verloren, Überschuss gelangt zurück zu anderen Pflanzen. Zur Bestäubung setzt Clemens Blum Hummeln ein, zur Schädlingsbekämpfung Nützlinge.

Das Wort Paprika kommt aus dem Ungarischen

Anfangs wachsen bei Paprika zwei Früchte pro Trieb, später sechs pro Pflanze. Alle zwei Wochen werden die Seitentriebe entfernt und die Köpfe um Schnüre gewickelt, weil sie in die Höhe wachsen und nicht abknicken sollen. Die Erntezeit begann Ende März und dauert bis Mitte November. „Bei Paprika gibt es eine Erntelücke“, informiert der Gemüseanbauer.

Anfangs wiegen Blockpaprika bis zu 300 Gramm, bei späterer Ernte etwa 200 Gramm. Das liegt daran, dass die Pflanze anfangs noch volle Kraft hat. Im Laufe der langen Saison lässt die Energie nach, deshalb werden die Früchte leichter. Das Wort Paprika ist eine Ableitung des serbokroatischen papar (Pfeffer) und gelangte über das ungarische „paprika“ ins Deutsche.

Rote Paprika ist am beliebtesten

Die Gewächshäuser werden mit Wärme aus Altholzverbrennung beheizt – nachts auf 18 bis 19 Grad Celsius, tagsüber reicht meist die Sonne. Ventilatoren verhindern eine zu hohe Luftfeuchtigkeit. 45 Vollzeit- und 20 Saisonkräfte – zu 90 Prozent Rumänen – pflücken die reifen Früchte.

Die Paprika werden maschinell gebürstet, nach den Wünschen der Abnehmer farblich sortiert und auf der Insel Reichenau fertig kommissioniert. Die Verbraucher essen am liebsten rote Paprika, die daher 65 Prozent der Anbaumenge ausmachen. 20 Prozent sind gelb, zehn Prozent orange, fünf Prozent grün.

Reichenauer Schoten werden nach Bayern geliefert

Als größte Herausforderung empfindet Clemens Blum, dass die verkaufte Paprikamenge in Baden-Württemberg stark zurückgeht, weshalb ein Teil nach Bayern exportiert wird.

Für eine Paprikapfanne als Beilage oder zu Brot schneidet man Paprika in Streifen und röstet sie in einer Pfanne mit Öl an, fügt gewürfelte Zwiebeln und Knoblauch hinzu und würzt mit Gemüsebrühe-Pulver, Salz und Pfeffer. Darüber wird Rucola gestreut.

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