Chef der Sana-Kliniken: „Das wird zu einem Kahlschlag in der Krankenhauslandschaft führen“
Herr Lemke, durch die Gesundheitsreform sollen dem Gesundheitswesen milliardenschwere Einsparungen verordnet werden. Was bedeutet das für Krankenhäuser?
THOMAS LEMKE: Für uns ist das keine Reform. Das ist ein reines Kostensenkungsgesetz. Strukturelle Verbesserungen werden damit überhaupt nicht angefasst. Dass im Gesundheitswesen gespart werden muss, ist von allen anerkannt – auch von uns Kliniken. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass die Krankenhäuser nächstes Jahr neun Milliarden Euro einsparen müssen. Das sind knapp zehn Prozent des Umsatzes. Unser Leistungsauftrag, alle Vorgaben und Auflagen, bleiben aber gleich. Das passt nicht zusammen und wird landauf, landab zu Insolvenzen und einem Kahlschlag in der Krankenhauslandschaft führen.
Von wie vielen Häusern reden wir?
Lemke. Es gibt noch rund 1700 Kliniken in Deutschland. Von 400 gefährdeten Standorten ist im gerade erschienenen Krankenhaus-Rating-Report die Rede.
Sie sagen also, dass etwa ein Viertel der Krankenhäuser verschwinden wird?
LEMKE: Wenn man es so laufen lässt, dann ja. Ich rede von wilden Schließungen, einem Strukturwandel auf kaltem Wege. Genau das sollte durch die Krankenhausreform mit einer systematischen Transformation eigentlich verhindert werden. Eine regionale Planung sollte sicherstellen, dass vor Ort definiert wird, welche Häuser gebraucht werden. Viele Bundesländer stehen noch vor dieser Aufgabe, Nordrhein-Westfalen hat sie schon in der Umsetzung. Jetzt droht die Pleitewelle, in der unkontrolliert Häuser verschwinden werden. Das lässt uns als Kliniken ratlos zurück.
Wenn das so kommt, werden viele Patienten das Krankenhaus in ihrer Nähe verlieren.
LEMKE: Ja, das ist so. Jede Woche melden sich Landräte oder Oberbürgermeister bei uns und sagen, wir können das Kreiskrankenhaus finanziell nicht mehr erhalten, wollen Sie einsteigen? Das Gleiche gilt für Häuser in konfessioneller oder freier Trägerschaft. Zur Wahrheit gehört natürlich, dass wir das bisherige System auch im besten Fall nicht hätten aufrechterhalten können. Dazu fehlen das Geld und das Personal selbst........
