menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Neues Buch legt die Grundlage für die Landshut-Ausstellung in Friedrichshafen

11 0
21.04.2026

Man glaubt es kaum. Seit bald neun Jahren steht das Wrack der 1977 entführten Lufthansa-Maschine „Landshut“ in einem Hangar auf dem Flughafen von Friedrichshafen und ist dort so ziemlich in Vergessenheit geraten. Die Arbeit an der geplanten Ausstellung der Maschine, die von der Bundesanstalt für politische Bildung (BPB) vorbereitet wird, ziehen sich noch hin. Doch jetzt liegt zumindest die geistig-zeithistorische Basis für das Vorhaben in Buchform vor. Der Sammelband „Landshut 1977 - Linksterrorismus in der Bundesrepublik“ wurde von der Potsdamer Historikerin Annette Vowinckel herausgegeben, die dem wissenschaftlichen Beirat des Landshut-Projekts am Bodensee vorsitzt.

Wer befürchtet, das Buch wende sich vorwiegend an ein Fachpublikum, liegt falsch. Es wendet sich an alle Interessierten, die die 70er-Jahre aus eigenem Erleben kennen, aber auch an Jüngere, die mit der Bezeichnung „Deutscher Herbst“ wenig anfangen können. Wie falsch! Denn Terror - ob von links oder rechts - ist ein leider nach wie vor aktuelles Phänomen. Dem Lesepublikum des Landshut-Bandes wird der Zutritt zum Thema leichtgemacht. Auf einer großen Landkarte kann man die einzelnen Stationen der Entführung von mehr als 80 Menschen ablesen und erfährt jeweils, was dort geschah - vom ersten Zwangsstopp in Rom bis zur Befreiung in Mogadischu, auf die der RAF-Terror mit der Ermordung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer antwortete.

Opfer berichten von ihren Erfahrungen und Enttäuschungen

Der Band ist in drei Abschnitte gegliedert. Den Auftakt macht die Vorgeschichte der Entführung und gruppiert einige Aufsätze um den Überfall auf die Olympia-Mannschaft Israels in München 1972, als der Terrorismus in der Bundesrepublik eine internationale Dimension annahm. Das Drama um die „Landshut“ wird im zweiten Abschnitt aus der Perspektive des Bonner Krisenstabs unter Kanzler Helmut Schmidt geschildert. Auch die Berichterstattung der Medien ist Thema. Der Band lässt eine Reihe der Terror-Opfer sehr ausführlich zu Wort kommen. Sie schildern ihre Erfahrungen auf dem fünf Tage währenden Leidensweg und erzählen, was danach (nicht) geschah. Darunter ist auch Gaby Coldewey, die damals ein kleines Mädchen war und sich an diese Fehlleistsung nach dem Drama erinnert: „Und dann gab es einen Empfang im Kanzleramt, doch da kam nicht mal Helmut Schmidt.“ Es sind solche Sätze, die das Buch zu einem zeithistorischen Dokument machen. Man darf gespannt sein, wie solche Negativ-Erlebnisse vom kommenden Jubiläumsjahr 2027 an in Friedrichshafen dargestellt werden.

Der Band mit 295 Seiten und vielen Abbildungen kann unter der Adresse www.bpb.de/575703 im Shop der BPB für 7,50 Euro bestellt werden.

Alexander Michel Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis

88048 Friedrichshafen Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis

Terror Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis


© Südkurier