Besonders jetzt, wenn der Frühling kommt: Das Niederämter Dorfglück hilft gegen den Weltschmerz
Die Welt, so hat man das Gefühl, ist aus den Fugen geraten. Kriege in der Ukraine und im Iran; Regierungen mit zunehmend autoritären Zügen, Krisenmeldungen im Stundentakt. Verfolgt man die Nachrichten rund um den Globus, kann sich die Stimmungslage schnell in Richtung leichte Depression bewegen.
Diese Befindlichkeit hat einen Namen: Weltschmerz. Die Definition dafür: Ein Zustand von Schwermut, Resignation und Überforderung, der aus der Wahrnehmung negativer weltweiter Entwicklungen resultiert. Der Begriff ist übrigens keineswegs neu: Schon Dichter und Denker des 19. Jahrhunderts beschrieben damit ihr Gefühl der Welt gegenüber.
Was kann man dagegen tun? Die einfachste Antwort: Auf den Konsum von Nachrichten verzichten. Keine Tagesschau, keine Zeitungen, keine News-Portale im Internet. Desinformation ist für viele Menschen aber keine Option. Zu gross ist das Bedürfnis, zu wissen, was in der Welt passiert. Und ganz ehrlich: Ein gewisses Mass an Aufmerksamkeit für das Weltgeschehen gehört auch zu einer funktionierenden Demokratie.
Kolumnist Stephan Felder.
Was bleibt also zur Linderung des Weltschmerzes? Das Finden des Glücks im Kleinen. In der Schweiz werden wir von den Krisen der Welt glücklicherweise mehrheitlich verschont. Erst recht im beschaulichen Kanton Solothurn und im Niederamt.
Natürlich gibt es auch hier Probleme. Die Diskussionen um den Liegenschaftskauf der Suchthilfe Ost in unserem Wohnort Dulliken zum Beispiel. Die Emotionen gehen hoch im Dorf, die Diskussion wird verbissen und bisweilen hässig geführt.
Es gibt in unserer Gegend aber auch ganz viele kleine, wunderbare Geschichten. Solche, die es selten in die Nachrichten schaffen, die aber viel darüber erzählen, wie unsere Gesellschaft funktioniert.
Einige Beispiele? Unser sechsjähriger Sohn liebt Vögel. Also leiht er in der Bibliothek immer wieder eine Vogel-Enzyklopädie aus. Bis das Personal ihm das Buch schenkt und für leuchtende Kinderaugen sorgt.
Die Mitarbeitenden beim Werkhof: Immer freundlich, immer für einen Schwatz zu haben. Verrichten ihre Arbeit stets mit einem Lächeln auf den Lippen. Genau wie die Pöstlerin, die uns immer freundlich begegnet und zuwinkt, wenn wir sie spontan treffen.
Mitarbeitende vom Werkhof läuteten 2021 in Dulliken den Frühling ein.
Oder die Nachbarschaft: Da wird schon mal das Mittagessen mitgekocht, wenn jemand krank zuhause liegt. Man schaut aufeinander und unterstützt sich, wo man kann.
Und natürlich die Natur: Die Aare, der Engelberg mit seiner wunderbaren Aussicht. Der Bärlauch, der unsere Wälder zum Duften bringt. Spontane Begegnungen, die mit wärmeren Temperaturen wieder deutlich häufiger werden.
Soll man also auf den News-Konsum verzichten? Nein. Und Empathie mit den Opfern von Kriegen und Konflikten ist wichtig und richtig. Aber man darf sich vor Augen halten, dass sich unser Leben in unseren Dörfern abspielt. Und dass hier jeden Tag aufs Neue wunderbare Geschichten geschrieben werden.
* Stephan Felder ist Journalist. Er lebt mit seiner Familie in Dulliken.
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