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Blüten fürs Gemüt

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tuesday

Die Weltlage ist allgegenwärtig. Die sich zuspitzenden politischen Konflikte sind Gesprächsthema beim Kaffee und verfolgen einen beim gedankenlosen Scrollen am Abend auf dem Smartphone, wenn man eigentlich längst schlafen sollte. Da ist dieses leise Unbehagen, das sich nicht ganz abschütteln lässt. Es ist, als hätte jemand die Gitarre schief gestimmt – und plötzlich klingt selbst der Alltag ein wenig dissonant.

Manchmal möchte ich mich selbst als Journalistin den überall auf mich einprasselnden Nachrichten nur noch entziehen, die Tagesschau meiden, die Push-Meldungen abstellen. Aber ganz so einfach ist es nicht. Zu sehr sind wir verwoben mit dem, was geschieht, zu sehr Teil eines globalen Gefüges, dem wir uns nicht entziehen können. Und so bleibt oftmals dieses ungute Gefühl.

Kriegsmeldungen prägen die derzeitige Nachrichtenlage.

Und dann gibt es diese Tage in der Natur. Tage, an denen man aus der Stadt hinausfährt aufs Land, vielleicht nur eine halbe Stunde, und plötzlich steht man im Schwarzbubenland zwischen Kirschbäumen, die in voller Blüte stehen. Viel hatte ich davon gehört, alle rundherum schwärmten auch dieses Jahr wieder davon, wie wundervoll der Anblick sei. Instagram ist seit Tagen voll von Blüten-Bildern.

Ein zartes Weiss liegt über den Hügeln, so weit das Auge reicht. Es ist ein stilles und spektakuläres Naturereignis, das einem mit seiner Schönheit die Sprache verschlagen kann. Kein Foto vermag es, das Spektakel wirklich festzuhalten. Man muss schon selbst hinfahren.

Die Chirsibluescht im Baselbiet.

Und die Kirschblüte passiert einfach. Jahr für Jahr. Unbeeindruckt von Börsenkursen, Konflikten, Wahljahren und Krisengipfeln. Sie hält sich nicht an Analysen und Prognosen – ausser vielleicht an jene des Wetters. Sie blüht – und erinnert daran, dass es Dinge gibt, die sich nicht beschleunigen lassen, nicht zuspitzen, nicht in Eilmeldungen verpacken.

Und so stand ich am Wochenende auf einem Hügel, vielleicht etwas verloren zwischen all den Baumreihen, und merkte, wie sich die eigene Wahrnehmung zu verschieben begann. Der Blick wurde langsamer. Die Gedanken klarer. Ab und zu ist das einfach nötig. Das dachte ich kürzlich bei einer Wanderung mit Freunden durch die Blust-Landschaft durchs Baselbiet und Solothurn.

Die Blust-Landschaft bietet ein Gegengewicht zum Alltag mit Schreckensnachrichten.

Der Tag war die perfekte Art von Gegengewicht zum Alltag voller Nachrichten, die man eigentlich nicht lesen und schon gar nicht schreiben will. Denn wer sich permanent mit negativen Nachrichten befasst, verliert irgendwann vielleicht die Fähigkeit, die schönen Dinge im Alltag zu sehen. Die Kirschbäume im Baselbiet lösen keine geopolitischen Probleme. Aber sie bieten in ihrer wunderbar vergänglichen Pracht eine wunderbare Auszeit.

Zu sehen, wie der Wind durch die Blüten weht und einzelne Blätter wie Schneeflocken zu Boden fallen, oder wie die Sonnenstrahlen durch die Zweige scheinen; es sind unspektakuläre Beobachtungen – und genau deshalb so wohltuend.

Kolumnistin Nora Hoffmann Bader.

Die Weltlage wird sich leider nicht so rasch beruhigen, wie die Kirschbäume verblühen. Und so gehen die Menschen noch einmal auf «Blustfahrt», bevor der Regen dem Spektakel ein Ende bereitet. Sie lächeln und grüssen freundlich, während sie an uns vorbeiwandern. Wir sitzen unter einem Chirsibaum und picknicken. Die Handys im Rucksack verstaut – der Blick schweift durch die Idylle. Der Gedanke ist beruhigend, dass, egal was passiert, die Blüten auch nächstes Jahr wieder blühen.

Nora Hoffmann Bader ist in Laupersdorf aufgewachsen und Journalistin bei der bz Basel.

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