«Grosses Kino in unserer kleinen Stadt»: Unser Kolumnist vergleicht seine Filmerlebnisse von früher und heute
Welches war Ihr allererster Film, den Sie im Kino gesehen haben? Bei mir war es der Disney-Klassiker «Bambi», im Kino Camera an der Römerstrasse. Das Kino Camera gibt es längst nicht mehr – umso lebhafter ist meine Erinnerung: Wie mich Bambi von der Leinwand mit überdimensionierten Kulleraugen anblinzelte. Und wie ich mein Gesicht im Ärmel meines Vaters vergrub, als Bambi um seine tote Mutter trauerte.
Die Sofasessel im Kinokoni an der Aarauerstrasse in Olten.
Ähnlich emotional erlebte ich als junger Erwachsener «Titanic» im Kino Capitol. Zur Pause scherzte ich noch, dass der Dampfer gleich untergehen werde, «blubb, blubb». Als dies dann geschah, Leonardo DiCaprio in den eisigen Fluten versank und Céline Dion dazu sang, wischte ich mir verstohlen die Tränen aus den Augen…
Ein paar Jahre später konnte man Filme aus dem Internet herunterladen. Bald darauf folgte Netflix. Das Film-Erlebnis wurde günstig, flexibel, unbegrenzt. Ich verbrachte unzählige Nachmittage und Abende auf dem Sofa. Und ich war überzeugt: Das Kino ist tot.
Umso mehr erstaunt heute: Olten hat eine lebendige Kino-Szene! Wie ist das möglich? Ich frage meine Söhne, 10 und 12 Jahre alt, weshalb sie so gerne ins Kino gehen. «Popcorn!», ruft der Jüngere wie aus der Pistole geschossen. Dann überlegt er: «Im Kino ist alles so gross und echt.» Der Ältere nickt und führt aus: «Die Filme fühlen sich im Kino viel wirklicher an als daheim. Es ist, als wären wir mittendrin.»
Kolumnist Elie Peter.
Tatsächlich ist das Kino bei Kindern der Renner. Die Hälfte der Geburtstags-Partys wird im Kino gefeiert – Popcorn inklusive. Und weil die heutigen Kinder eh genug Spielzeug besitzen, schenken wir den Kollegen unserer Söhne zum Geburtstag immer dasselbe: einen Kino-Gutschein fürs KinoKoni. Das ist Win-win-win. Für uns einfach zu beschaffen, für die Kinder ein schönes Erlebnis – und für das Oltner Gewerbe ist es auch gut.
Doch nicht nur die Kinder strömen ins Kino. Unsere Generation trifft man genauso im KinoKoni im Bifang. Und die Generation meiner Eltern pilgert an den Klosterplatz, wo das Kino Lichtspiel Studiofilme zeigt. Alles zurecht – denn die Oltner Kinos machen ihre Sache exzellent! Waren die Sitze früher oft speckig und unbehaglich, fühlt man sich im KinoKoni heute fast wie im Möbelhaus. Besonders beliebt sind bei unseren Buben die doppelten Sofasessel, obwohl unsere Kinder noch nicht im Schmusealter sind… Das Lichtspiel ist seit dem Umbau ein Bijou, innen wie aussen.
Aber halt! Wo bleiben die Schattenseiten? Ich frage meine Frau – denn diese ist als Französin nie um eine Meinung verlegen. «Die Pause ist schrecklich! Die zerreisst den Film.» In Frankreich gibt es keine Pause im Kino. Unsere Söhne hören es und der Jüngere kontert: «Wann würden wir ohne Pause die Glace essen!?» Meine Frau fährt fort: «Man sollte die Filme immer in der Originalsprache zeigen, nie auf Deutsch übersetzen. Das ist mit ein Grund, weshalb die Kinder so schlecht Englisch sprechen!» Diesmal schweigen die Buben…
Dann debattieren wir über den Preis. Hier sind wir uns einig: Als Kind habe ich vor 40 Jahren zehn Franken Eintritt bezahlt. Heute sind es 13 Franken für Kinder und oft weniger als 20 Franken für Erwachsene. Das ist inflationsbereinigt sehr fair.
Am Ende unserer Familien-Diskussion sinniere ich noch etwas weiter: Vermutlich geht es beim Kino gar nicht nur um Filme. Es geht um Erinnerungen. Um gemeinsame Erlebnisse. Um den ersten Kinobesuch als Kind, um Abende mit Freunden, um Nachmittage mit den eigenen Kindern. Schön, dass dies in Olten weiterhin möglich ist! Meine Frau, unsere Buben und ich: Wir freuen uns auf den nächsten Kinobesuch. Vielleicht über Ostern. Und sicher mit Popcorn!
Elie Peter aus Olten ist Kommunikationsverantwortlicher und Autor.
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