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Innenstadt: Ohne schnelle und mutige Entscheidungen wird die Verwahrlosung zunehmen

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24.04.2026

Innenstadt Solingen: Ohne schnelle und mutige Entscheidungen wird die Verwahrlosung zunehmen

Innenstadt: Ohne schnelle und mutige Entscheidungen wird die Verwahrlosung zunehmen

Neun Monate brauchte das Rathaus, um die Alternativprüfungen für die Theatersanierung vorzubereiten. Die jetzt vermutlich in der Schublade verschwinden. So viel Zeit hat die City nicht mehr, warnt Kolumnist Stefan M. Kob.

Liebe Leserinnen und Leser,

es war der Wahlkampfhit im letzten Sommer. Oberbürgermeister-Kandidat Daniel Flemm (CDU) wollte Mut und visionäre Kraft beweisen. Sein Plan: ein neues Kulturhaus auf der Omega-Brache bauen, anstatt weitere Millionen in die Sanierung des Theater und Konzerthauses zu stecken.

Am Schlagbaum sollte dafür statt der geplanten zwei Rettungswachen eine zentrale entstehen, was weitere Millionen einsparen würde. „Out of the box“-Denken nennt man die Fähigkeit, alte Denkmuster zu verlassen, selbst wenn das erst einmal verrückt klingt. Flemm konnte es als einen politischen Erfolg verbuchen, dass seine Idee mitten im Wahlkampf als einstimmiger Ratsbeschluss für einen Prüfauftrag durchging.

Obwohl es viele Vorbehalte gab, insbesondere beim politischen Gegner. Dennoch wollte man keine Alternative ungeprüft lassen. Denn die Kosten für die Brandschutzsanierung des Kulturtempels von 32 Millionen Euro (dafür hat man halb Schloss Burg aufgebrezelt) sowie die Kostenexplosion bei den beiden neuen Feuerwachen (inzwischen ist von über 350 Millionen die Rede) sind schwindelerregend hoch.

Mut im Wahlkampf, Zögern im Amt

Doch gegen Ende des Wahlkampfs wurde der vermeintliche Hit immer leiser und verstummte nach Flemms Amtsantritt im Rathaus ganz. Erst jetzt, ganze neun Monate nach dem Beschluss, hat das Rathaus endlich eine Vorlage auf die Welt gebracht, um die Alternativenprüfung zu beauftragen. Natürlich durch ein externes Büro.

Die Politiker im Kulturausschuss waren aber parteiübergreifend dagegen. Sie wollen die Brandschutzsanierung durchziehen und die Neubau-Idee „schubladieren”, wie es ein früherer IHK-Geschäftsführer einmal so schön formuliert hatte.

Kulturhaus: Idee verstummt

Zwar könnte der Stadtrat noch anders entscheiden. Das wäre jedoch ein kleines Wunder. Kulturausschuss-Sprecher Horst Gabriel (CDU) hat sich jedenfalls schon von der Idee verabschiedet und schwärmt von den Vorzügen des bestehenden Hauses. Und auch sonst ist aus der CDU keine Stimme mehr zu vernehmen, die sich für eine teure externe Prüfung einsetzen würde. Vermutlich möchte man den Wahlkampfhit lieber geräuschlos einstampfen: „Ab in die Kiste“ statt „Out of the Box“.

Krisen und Kriege haben Spuren hinterlassen

Warum dauert das alles nur so lange? An anderer Stelle, einen Kilometer südwärts, wäre das schnelle Überwinden von Denkblockaden nämlich dringend nötig. Das wurde beim zweiten Kaminabend der „Mitteschmiede” deutlich.

Alle Bemühungen, die Innenstadt zu beleben, haben bisher nicht gefruchtet. Im Gegenteil: Städteplaner Holger Pump-Uhlmann, 2019 maßgeblicher Autor des Entwicklungskonzepts „City 2030“, zeigte sich erschüttert darüber, wie viel sich seitdem verschlechtert hat.

Natürlich haben Krisen und Kriege ihre Spuren hinterlassen, und der Einzelhandel hat seine dominierende Stellung verloren. Es gibt jedoch auch hausgemachte Gründe. Das fängt damit an, die Innenstadt vom Schlagbaum bis Südpark aus dem gleichen Blickwinkel zu betrachten. Man braucht für die verschiedenen Quartiere unterschiedliche Konzepte.

Es gelingt nicht einmal mehr, die Fußgängerzone von oben bis unten als funktionierenden, lebendigen und frequentierten Raum zu entwickeln. Und es endet bei der vergeblichen Hoffnung, man könnte durch das Verschönern einzelner Stellen irgendetwas bewirken, außer Geld zum Fenster hinauszuwerfen.

Zentrum: Es fehlen vor allem Parkplätze

Daher soll ein tragfähiges Konzept „aus einem Guss“ her, wie Oberbürgermeister Flemm mit seinem neuen Stab Innenstadt verspricht. Umso verwunderlicher, dass die Verwaltung immer noch mit den zwar grundsätzlich beschlossenen, aber untauglichen Einzelvorhaben wie dem Fronhof-Umbau oder zuletzt Czimatisplatz und Birkenweiher um die Ecke kommt. Die Fixierung auf Fördermittel muss ein Ende haben.

Deutlich wurde beim Abend der Mitteschmiede erneut, dass der Plan, den verwaisten Einzelhandelsplatz durch Gastronomie, Handwerk und Dienstleistung zu ersetzen, richtig ist. Doch damit ein attraktiver Mix gelingt, braucht es vor allem eins: Parkplätze vor der Haustür. Anders ist an Handwerk und andere Produktionsdienstleistungen nicht zu denken, wie das Beispiel einer Unternehmerin zeigte, die gerne in die City gekommen wäre.

Selbst Pump-Uhlmann plädiert inzwischen dafür, eine alte Idee neu zu beleben: die – eingeschränkte – Öffnung der unteren Hauptstraße für den Individualverkehr. Warum also nicht zu diesem Strohhalm greifen und zumindest an dieser halbtoten Ecke ein Experiment wagen? In einer so verzweifelten Situation wären ideologische Denkblockaden Gift.

Sicherheitsgefühl muss dringend gestärkt werden

Ein weiteres Thema, das am Abend immer wieder im Publikum zu hören war, war das abhanden gekommene Sicherheitsgefühl. Zuletzt gab es dafür wieder schreckliche Anlässe. Doch hier darf man Hoffnung haben. Schließlich hat der neue Rathauschef härteres Durchgreifen versprochen. Das scheint – wenn auch mit Schwierigkeiten - langsam anzulaufen.

Außerdem würden sich viele dieser Probleme von selbst erledigen. Wenn wieder mehr „richtiges“ Leben in die Innenstadt einkehrte und das beklemmende Gefühl der zunehmenden Verwahrlosung verschwände.

Bisher dreht sich die Spirale nach unten. Sie kann sich in die andere Richtung drehen. Dafür braucht es Ideen, Mut und Kraft.

Ihr Stefan M. Kob, Kolumnist

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