Fragen und Antworten: Wie Donald Trumps Politik den Nahen Osten verändert
Fragen und Antworten Wie Donald Trumps Politik den Nahen Osten verändert
Analyse | Berlin · Ajatollah Ali Chamenei ist tot, Raketen schlagen in der ganzen Region ein. Die US-amerikanischen und israelischen Militärschläge im Iran beschleunigen eine Neuordnung im Nahen Osten, die Trumps Politik befördert hat.
US-Präsident Donald Trump setzt auf Regierungswechsel im Iran.
Was will Trump kurzfristig erreichen?
Sind arabische Länder involviert?
Wie betrachten Golfstaaten die Eskalation?
Welche Szenarien drohen im Iran?
Nachdem die USA und Israel ihre Militäroperation gegen den Iran begonnen haben, gab sich Donald Trump als Friedensbringer. Auf seinem Onlinedienst Truth Social platzierte der US-Präsident die Botschaft: „Wie auch immer – die schweren und präzisen Bombardements werden ohne Unterbrechung die Woche über weitergehen oder so lange wie notwendig, um unser Ziel von Frieden im ganzen Nahen Osten und, ja, der Welt zu erreichen.“
Auch wenn vieles noch nicht absehbar ist: Ob Trump mit seinem Politikstil der kurzfristigen Siege und Deals wirklich die gesamte Region befriedet, erscheint fraglich. Denn im Nahen Osten gibt es eine neue Dynamik, die sich seit Beginn der zweiten Amtszeit Trumps beschleunigt und bei der es ihm schwerfallen dürfte, die Kontrolle zu behalten. Ein Blick auf die zentralen Fragen zeigt, warum.
Was will Trump kurzfristig erreichen?
Der US-Präsident strebt einen Regierungswechsel im Iran an. „Jetzt ist es an der Zeit, euer Schicksal in die Hand zu nehmen“, sagte er in einem Video an die iranische Bevölkerung gerichtet. „Dies ist der Moment zum Handeln. Lasst ihn nicht verstreichen.“ Dabei hatte Trump in der Vergangenheit seinen Vorgängern im Weißen Haus immer wieder eine „gescheiterte Politik der Nationenbildung und des Regimewechsels“ vorgeworfen. Noch 2025 sagte er in einer Rede in Saudi-Arabien, am Ende hätten die sogenannten Nationenbauer viel mehr Nationen verwüstet als aufgebaut. Dabei machte er sich über die Versuche der USA in Afghanistan und im Irak lustig.
Durch die Luftangriffe am Wochenende ist das bei vielen Iranern unpopuläre Regime in Teheran stark geschwächt, einige seiner ranghohen Anführer sind tot oder werden vermisst. Am Sonntag bestätigten iranische Staatsmedien, dass auch der Oberste Führer, Ajatollah Ali Chamenei, getötet wurde. Für die Zeit nach dem Krieg haben die USA allerdings keinen Plan vorgelegt.
Sind arabische Länder involviert?
Insbesondere Golfstaaten, die US-Militärstützpunkte beherbergen, sind Ziel iranischer Vergeltungsangriffe geworden. In Katar befindet sich mit Al-Udeid der größte US-Militärstützpunkt in der Region. Auch Explosionen sowie Raketen- und Drohnen-Attacken auf Ziele im Irak und in Jordanien wurden gemeldet. Das saudische Außenministerium verurteilte in einer Erklärung die „feigen iranischen Angriffe“ auf das Schärfste. Kronprinz Mohammed bin Salman telefonierte unter anderem mit den Staatschefs der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Bahrains, Katars, Kuwaits und Jordaniens – und sagte dem Außenministerium in Riad zufolge den „Bruderstaaten“ uneingeschränkte Unterstützung zu.
Wie betrachten Golfstaaten die Eskalation?
Sie haben im Atomstreit auf Verhandlungen gesetzt und versucht, einen Krieg zu verhindern. Zwar sind Saudi-Arabien und der Iran Erzfeinde. Doch braucht das Königshaus in Riad vor allem Stabilität, weil es seine Wirtschaft umbauen und unabhängiger vom Erdöl werden will. Mit den Angriffen auf den Iran hat Trump Bedenken der arabischen Länder beiseite gewischt. Das dürfte zu einem weiteren Vertrauensverlust führen.
Zur Erinnerung: Zu Beginn seiner zweiten Amtszeit haben die Golfstaaten Trump mit extravaganten Geschenken (etwa ein Luxus-Jumbojet) und Milliarden-Investitionszusagen umworben, weil sie auf eine vertrauensvolle Partnerschaft setzten. Dann führte Israel im Juni 2025 zwölf Tage Krieg gegen den Iran. Die USA stiegen in den Krieg ein und bombardierten drei wichtige iranische Nuklearanlagen. Israels Angriff erfolgte damals nur einen Tag vor einer geplanten Runde weiterer Verhandlungen zwischen Washington und Teheran über Irans Atomprogramm. Wenige Monate später war es ein israelischer Angriff auf die Hamas in Katar, der von den Golfstaaten als Vertrauensbruch vonseiten Trumps gewertet wurde.
Der aktuelle Krieg beschleunigt eine regionale Neuordnung, die sich seit Trumps Wiedereinzug ins Weiße Haus beschleunigt: Wichtige Akteure rücken näher zusammen. So schloss Saudi-Arabien nach dem israelischen Angriff auf Katar einen Verteidigungs- und Beistandspakt mit der Atommacht Pakistan nach dem Motto: Ein Angriff auf einen gilt als Angriff auf beide. Auf der anderen Seite nähern sich Israel, die Vereinigten Arabischen Emirate und Indien an. Es bilden sich also neue Koalitionen, aus denen rivalisierende Blöcke werden könnten. Bemerkenswert ist vor allem die Annäherung der Türkei und Ägyptens – vor allem wegen des Gazakrieges. Ankara und Kairo waren nach dem Putsch des ägyptischen Militärs und dem Sturz der Muslimbruderschaft jahrelang verfeindet. Das zeigt, dass die wichtigen Akteure sich rüsten und auf gemeinsame Stärke setzen.
Welche Szenarien drohen im Iran?
Es ist noch zu früh, um zu wissen, ob sich politisch etwas in Teheran verändern wird. Klar ist, dass die alten Spielregeln, die die Region seit der islamischen Revolution im Iran 1979 jahrzehntelang geprägt haben, nicht mehr gelten. Bei den Kriegen infolge des Terrorangriffs der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 verlor der Iran nach und nach in der arabischen Welt an Einfluss. Viele wichtige Stellvertreter und Verbündete des Irans – die militant-islamistische Hamas im Gazastreifen, die Hisbollah im Libanon und die Assad-Regierung in Syrien – sind geschwächt oder gestürzt worden. Das birgt Chancen, aber vor allem Risiken.
