Medizin oft nur an Männern getestet: „Wir bewegen uns gewissermaßen noch im Mittelalter“
Geschlechtsspezifische Medizin: Warum mehr an Frauen geforscht werden muss
Geschlechtsspezifische Medizin: Warum mehr an Frauen geforscht werden muss
Medizin oft nur an Männern getestet „Wir bewegen uns gewissermaßen noch im Mittelalter“
Analyse | Berlin · Viele Medikamente werden ausschließlich an Männern getestet – dabei könnte geschlechtssensible Medizin Leben retten. Eine Expertin erklärt, warum dadurch nicht nur die Frauen schlechter versorgt werden.
Diese Audioversion wurde künstlich generiert. Mehr Infos | Feedback senden
Frauen haben einen anderen Hormonhaushalt als Männer – die Auswirkungen davon auf andere Krankheiten sind wenig erforscht. (Symbolbild)
Zwischen Frauen und Männern gibt es körperliche Unterschiede. Männer haben in der Regel mehr Muskelmasse, Fett verteilt sich anders in weiblichen Körpern als in männlichen und auch die Hormonhaushalte werden durch das biologische Geschlecht bestimmt. Für die Medizin sind diese Unterschiede von großer Bedeutung: Sie beeinflussen, wie gut Medikamente und Therapien wirken. Bei einigen Krankheiten zeigen Männer und Frauen unterschiedliche Symptome.
Im Extremfall kann dieses Wissen über Leben und Tod entscheiden – trotzdem hat die medizinische Forschung noch viele blinde Flecken.
„Bei der geschlechtssensiblen Ausrichtung der Medizin stehen wir in der Forschung in vielen Bereichen noch am Anfang“, sagte Dagmar Führer-Sakel im Gespräch mit unserer Redaktion. „Dies gilt insbesondere für hormonelle und molekulare Grundlagen – hier bewegen wir uns gewissermaßen noch im Mittelalter.“ Sie ist Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). Der Verein vertritt rund 30.000 Internisten aus ganz Deutschland. „Über Jahrzehnte hinweg wurden geschlechtsspezifische Unterschiede – etwa bei autoimmunen Erkrankungen, Krebs oder kardiovaskulären Erkrankungen – in der Forschung zu wenig berücksichtigt“, so Führer-Sakel.
Studien oft an Männern durchgeführt
Dagmar Führer-Sakel ist die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM).
Das Problem beginnt bereits in der Forschung. „Studien werden überwiegend an männlichen Probanden durchgeführt. Die daraus gewonnenen Ergebnisse werden anschließend häufig ohne weitere Differenzierung auf den weiblichen Organismus übertragen“, erklärt Führer-Sakel. Grund dafür ist, dass klinische Studien so risikoarm wie möglich sein sollen.
„Bei Frauen im reproduktionsfähigen Alter entsteht daher ein erhöhter organisatorischer und ethischer Prüfaufwand, um das Vorliegen beziehungsweise Eintreten einer Schwangerschaft auszuschließen“, erklärt die Expertin.
Das führt dazu, dass schon vor den Tests an Menschen Medikamente oft ausschließlich an männlichen Tieren, etwa Mäusen, untersucht werden. Das Problem: Die Erkenntnisse können eben nicht immer auf Frauen übertragen werden. Ein Beispiel, bei dem die Unterschiede zwischen den Geschlechtern bekannt sind, ist der Herzinfarkt. Die Symptome beim Mann kennt wohl jeder: starke Schmerzen in der Brust, Schmerzen in den Armen, Atemnot. Doch bei Frauen kündigt sich ein Infarkt anders an. Sie haben beispielsweise Rückenschmerzen, können Übelkeit und Schmerzen in der Magengegend spüren.
Regierung will Frauengesundheit fördern
Vor Kurzem ist das Thema, das bis dahin ein Schattendasein fristete, von Ministerinnen im Bund öffentlichkeitswirksam aufgegriffen und diskutiert worden. Sowohl Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU), als auch Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) haben es sich nun zur Aufgabe gemacht, vor allem die Frauengesundheit zu fördern. „Häufig ist die Medikation auf den männlichen Körper ausgerichtet. Bestimmte Frauenkrankheiten wie Endometriose und Lipödeme sind noch nicht ordentlich erforscht. Erst seit Kurzem gibt es Crashtest-Dummys, die Frauenkörper nachbilden“, sagte Bär Anfang des Jahres.
Eine neue Fördermaßnahme soll zu einem besseren Verständnis von Wechseljahresbeschwerden beitragen. Ähnlich äußerte sich Nina Warken Ende vergangenen Jahres im Interview mit unserer Redaktion: „Es ist erschreckend, dass erst seit wenigen Jahren Bedürfnisse von Frauen in klinischen Studien berücksichtigt werden.“
Auch Männer profitieren
Frauengesundheit ist die eine Seite der geschlechtssensiblen Medizin – hier ist noch viel nachzuholen. Doch nicht nur Frauen ziehen den Kürzeren, wenn Hormonunterschiede in der Forschung vernachlässigt werden. Osteoporose ist eine Erkrankung, die vor allem Frauen nach der Menopause betrifft. Der Östrogenstoffwechsel fährt herunter und beeinflusst die Knochendichte. „Östrogenwirkung im Knochen ist schon sehr gut erforscht, und zwar bis in die Tiefen der Molekularbiologie“, sagt Führer-Sakel. Doch auch Männer können unter bestimmten Umständen die Knochenerkrankung entwickeln. Und hier sieht der medizinische Stand ganz anders aus: „Die Osteoporose des Mannes wird im Alltag noch zu viel verkannt und nicht optimal versorgt.“
Damit das Verständnis solcher Unterschiede in der Medizin größer wird, muss mehr Forschung erfolgen. Am Ende steht für Führer-Sakel eine Medizin, die nicht nur in der Behandlung auf die verschiedenen Bedürfnisse von Frauen und Männern eingeht, sondern bereits in der Prävention konsequent ansetzt. „Wir betreiben eher eine Reparaturmedizin“, so die Medizinerin. „Es ist, als würden wir ein Fahrzeug erst dann in die Werkstatt bringen, wenn es mit Motorschaden auf der Autobahn liegen bleibt – statt es regelmäßig zu warten, damit es gar nicht erst zum Stillstand kommt.“
Trotz allem: In Deutschland werden Mann und Frau in der Regel gut versorgt, sagt auch die Medizinerin und Professorin. Und auch das Bewusstsein für die Bedeutung von geschlechtssensibler Medizin steigt. Sie ist Teil des Medizinstudiums und viele deutsche Universitäten haben Institute mit diesem Fokus. Nun muss sie noch stärker in der Praxis und Forschung ankommen.
www.facebook.com/rponline
Rheinische Post Mediengruppe
Vertrag mit Werbung kündigen
NRW Panorama NRW Schule Städte Landespolitik Kultur Freizeit Restaurants und Kulinarisches Verkehr Urlaub und Ausflüge in NRW Kommunalwahl
Freizeit Restaurants und Kulinarisches
Restaurants und Kulinarisches
Urlaub und Ausflüge in NRW
Politik Deutschland News aus Berlin EU-Politik Ausland Krieg in der Ukraine
Deutschland News aus Berlin
Ausland Krieg in der Ukraine
Sport Fußball Borussia Mönchengladbach Fohlenfutter Fortuna Bundesliga 2. Bundesliga Champions League Europa League DFB-Pokal WM Andere Teams DFB-News Historie Team-Porträts EM Andere Teams Alles zum DFB Team-Porträts International Andere Ligen England Italien Spanien Eishockey DEG DEL Formel 1 Handball Tennis US-Sport Wintersport Radsport Weitere Sportarten Basketball Leichtathletik Football Hockey Hockey EM Lokalsport
Fußball Borussia Mönchengladbach Fohlenfutter Fortuna Bundesliga 2. Bundesliga Champions League Europa League DFB-Pokal WM Andere Teams DFB-News Historie Team-Porträts EM Andere Teams Alles zum DFB Team-Porträts International Andere Ligen England Italien Spanien
Borussia Mönchengladbach Fohlenfutter
WM Andere Teams DFB-News Historie Team-Porträts
EM Andere Teams Alles zum DFB Team-Porträts
International Andere Ligen England Italien Spanien
Panorama Deutschland Ausland Leute Fernsehen Wissen Bildung und Hochschule Forschung Klima Weltraum Mode Adel Religion TV-Programm Niederlande
Wissen Bildung und Hochschule Forschung Klima Weltraum
Bildung und Hochschule
Kultur Kunst Musik Film Buch
Wirtschaft Unternehmen Finanzen
Digital Smartphones Internet TV PC und Tablets Games Kameras Apps Neuheiten
Podcasts Brunch Rheinpegel Gründerzeit Fohlenfutter Praktisch Faktisch Tonspur Wissen Hinreichend verdächtig
Hinreichend verdächtig
Leben Auto Autokauf Fahrberichte Fahrrad Motorrad News Bauen-Kaufen-Wohnen Beruf Familie Gesundheit Ernährung und Diät Fitness Medizin und Vorsorge Psychologie Schwangerschaft Sexualität und Liebe Kochen Reisen Ratgeber Deutschland Fernreisen Hotels Inseln Kreuzfahrten Mallorca Urlaub News Ratgeber Geldanlagen Mieten Rente Steuern Verbraucher Versicherungen Vorsorge Mediathek pets - Tiere Nachhaltig leben
Auto Autokauf Fahrberichte Fahrrad Motorrad News
Gesundheit Ernährung und Diät Fitness Medizin und Vorsorge Psychologie Schwangerschaft Sexualität und Liebe
Reisen Ratgeber Deutschland Fernreisen Hotels Inseln Kreuzfahrten Mallorca Urlaub News
Ratgeber Geldanlagen Mieten Rente Steuern Verbraucher Versicherungen Vorsorge
Bilder Bilder aus Düsseldorf
Bilder aus Düsseldorf
Videos Videos NRW Videos aus Politik und Wirtschaft Videos aus dem Kultur- und Panorama-Ressort Videos aus dem Leben-Ressort Videos aus dem Sport-Ressort
Videos aus Politik und Wirtschaft
Videos aus dem Kultur- und Panorama-Ressort
Videos aus dem Leben-Ressort
Videos aus dem Sport-Ressort
Newsletter abonnieren
