EU-Namensstreit: Kulturkampf um Veggieburger ohne Gewinner
EU-Namensstreit Kulturkampf um Veggieburger ohne Gewinner
Meinung | Brüssel · Konservative im EU-Parlament forderten, Begriffe wie „Burger" für pflanzliche Produkte zu verbieten. Bauern sollten profitieren, so das Argument. Die Debatte glich einer Posse und offenbarte mehr über politische Symbolkämpfe als über echten Verbraucherschutz.
Mitglieder des Europäischen Parlaments bei einer Plenarsitzung. (Archivfoto)
Der Ruf des EU-Parlaments, dieses bürokratischen Riesenapparats, ist bisweilen schlecht. In einigen Kreisen der Bevölkerung werden die Europaabgeordneten gerne als abgehoben, überbezahlt, ideologiegetrieben oder realitätsfremd bewertet. Fair ist diese pauschale Kritik nicht. Leider sorgen die Volksvertreter aber immer wieder mit absurden Vorstößen selbst dafür, dass Beobachter nur noch den Kopf über die Institution schütteln können. Das beste Beispiel ist der Kulturkampf um den Veggieburger.
Das Hohe Haus machte sich zum Gespött Europas, nachdem Konservative unter französischer Führung und Rechtsaußen-Abgeordnete gefordert hatten, die Namen von ursprünglich typischen Fleischzubereitungen für pflanzliche Lebensmittel zu verbieten – per Gesetz. Es war völlig absurd. Was, so stichelten sogar zahlreiche Parlamentskollegen, ist mit dem glücksbringenden Marzipanschweinchen, Katzenzungen und Goldbären? Ein totes Tier verbirgt sich in keiner der Süßigkeiten.
Tatsächlich glich die Debatte einer Posse in Zeiten, in denen die Welt in Flammen aufgeht und die EU vor existenziellen Herausforderungen steht, bei denen es um Wohlstand und Sicherheit für ihre Bürger geht. Selbst inhaltlich überzeugte keines der Argumente der selbst ernannten Anwälte der Bauern. Kein Landwirt in Europa verdient mehr, wenn statt Veggieburger Bratling auf der Verpackung steht. Die Gefahr ist zudem äußerst gering, dass Grillfans ihren Gästen versehentlich ein Tofuschnitzel statt eines Lammsteaks servieren. Vielmehr ist es fast schon unverschämt, die Bürger für dumm verkaufen zu wollen. Europas Verbraucher sind mündig genug zu erkennen, dass sie kein Fleischprodukt erwerben, wenn ‚Veggie‘ auf dem Etikett prangt.
Mehr noch, Begriffe wie Burger geben den Menschen Orientierung für Geschmack, Textur und Zubereitung. Von den wirtschaftlichen Vorteilen ganz zu schweigen. Warum also führte das Lager rechts der Mitte das Theater auf? Einige Konservative wollten ohne Sinn und Verstand ihr Teil-Klientel aus der Agrarbranche bedienen. Viel schwerer wiegt aber, dass um die Pflanzenkost auf dem Tisch der Europäer ein wahrer Kulturkampf entbrannt ist. Fleisch als Symbol für den Streit zwischen Stadt und Land, zwischen links und rechts, zwischen vermeintlich echten Männern am Barbecue und angeblich militanten Veganern, zwischen „Das wird man ja noch sagen dürfen“ und politischer Korrektheit. Am Donnerstag wurde die leidige Scheindebatte endlich mit einem Kompromiss beendet. Trotzdem ist der Schaden längst angerichtet.
