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Missbrauch im Erzbistum Paderborn: Geschwiegen, gelogen, vertuscht – eine letzte Chance für die Kirche

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Missbrauch im Erzbistum Paderborn Geschwiegen, gelogen, vertuscht – eine letzte Chance für die Kirche

Meinung | Paderborn · Die neue historische Studie für das Erzbistum Paderborn offenbart einmal mehr die Abgründe der Katholischen Kirche. Die Betroffenen beweisen Mut, und sie haben klare Forderungen – die die Kirche jetzt als Chance begreifen muss.

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Übergabe der Studie bei der Pressekonferenz: „Sexuelle Gewalt an Minderjährigen im Erzbistum Paderborn. Eine historische Untersuchung (1941 - 2002).

Die Vorstellung einer Studie zu Missbrauch in der Kirche ist der Abschluss einer jahrelangen wissenschaftlichen Arbeit, oft unter intensiver, extrem belastender Mitarbeit von Betroffenen – doch sie muss als Anfang begriffen werden. Die Erkenntnisse sind verbunden mit dem Auftrag an die Verantwortlichen, wenigstens jetzt zu handeln, nachdem jahrzehntelang geschwiegen, gelogen und vertuscht worden ist. Im Erzbistum Paderborn sogar von zwei Kirchenmännern, die später in den Kardinalsstand erhoben wurden.

Die meisten Beschuldigten und Mitschuldigen der Kirche, auch die Kardinäle Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt sind lange tot. Für die Zukunft sind den Betroffenen drei Punkte aber unerlässlich: die vollständige Aufarbeitung, die Prävention und ein besserer Umgang mit Anträgen zur Anerkennung ihres Leids. Als entwürdigend empfinden viele die Verfahren, völlig fremden Personen intimste Dinge schildern zu müssen, retraumatisiert zu werden, um dann eine Entscheidung mitgeteilt zu bekommen, von der sie nicht nachvollziehen können, wie sie zustande gekommen ist.

Wie viel ist welches Leid wert? Das ist eine Frage, auf die die Kirchen, auch weltliche Gerichte, bislang oft keine Antwort haben. Doch Menschen, die Missbrauch erlebt haben und 50 Jahre brauchen, um mit dem Ehepartner darüber zu sprechen, geht es nicht in erster Linie um Geld. Sie wollen gehört werden. Die Anerkennung des Leids besteht für Betroffene nicht zuletzt in der Anerkennung der Schuld der Kirche.

Was vergibt sich ein Erzbischof damit, um Vergebung zu bitten, statt auf Ergebnisse einer Studie zu warten? Fragte Betroffenenvertreter Reinhold Harnisch nach dem Zwischenbericht, der 2021 schon Schlimmstes erahnen ließ. Der amtierende Erzbischof Udo Bentz erweckt nicht den Eindruck, sich über seine Amtszeit hinwegretten zu wollen. Kommende Woche will er sich in Dortmund, Schmallenberg und Rheda-Wiedenbrück Diskussionen stellen. Es ist ein Anfang – und die vielleicht letzte Chance.


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