Die zehn Probleme der Fußball-WM
1. Das Statutenproblem: Der Weltfußballverband FIFA schreibt sich und allen Mitgliedern Frieden und Antidiskriminierung hochoffiziell als politische Ziele vor. Eine globale Verhinderung von Kriegen durch den Fußball ist unmöglich. Das sollte aber nicht umgekehrt zum „Is ma wurscht!“-Nichtstun und einer Anbiederung mit Kriegsherren führen.
2. Das Opportunismusproblem: Die letzten beiden Weltmeisterschaften fanden in den Diktaturen Russland und Katar statt. FIFA-Präsident Gianni Infantino, Träger des russischen Freundschaftsordens, verkündete, in Russland verliebt zu sein, und fühlte sich beim Kriegsführer Wladimir Putin – der Überfall auf die Krim war 2014 – „wie ein Kind im Bonbongeschäft“. Kritiker des Scheichtums Katar beschimpfte Infantino von seinem dortigen Wohnsitz aus.
3. Das Verlogenheitsproblem: Besagter Infantino übergab bei der WM-Auslosung an Donald Trump einen Friedenspreis. Nach Kriterien, die kein europäisches Mitglied der FIFA – oder sonst irgendwer – je erfahren hat. Von einer Jury, die es mutmaßlich nicht gegeben hat, weil niemand auch nur ein einziges Jurymitglied kennt oder von einem solchen weiß.
Der Iran dürfte längst kein Mitglied der FIFA mehr sein. Ihn jetzt erst ausschließen zu wollen, das ist bizarr. Zudem müsste der Endrundenteilnehmer Saudi-Arabien genauso sofort raus.
Der Iran dürfte längst kein Mitglied der FIFA mehr sein. Ihn jetzt erst ausschließen zu wollen, das ist bizarr. Zudem müsste der Endrundenteilnehmer Saudi-Arabien genauso sofort raus.
Der Iran dürfte längst kein Mitglied der FIFA mehr sein. Ihn jetzt erst ausschließen zu wollen, das ist bizarr. Zudem müsste der Endrundenteilnehmer Saudi-Arabien genauso sofort raus.
4. Das Ausschlussproblem: Der iranische Fußballverband ist nicht unabhängig, wie in den Statuten der FIFA verlangt, sondern am Gängelband der Regierung. Diese ist mörderisch, menschenrechtsverachtend und diskriminierend. All das war vor Kriegsbeginn bekannt. Der Iran dürfte längst kein Mitglied der FIFA mehr sein. Ihn jetzt erst ausschließen zu wollen, das ist bizarr. Zudem müsste der Endrundenteilnehmer Saudi-Arabien genauso sofort raus.
5. Das Absageproblem: Will der Iran überhaupt an der Fußball-WM teilnehmen? Falls nicht, kann die FIFA nach Artikel 5 der Veranstaltungsregeln jede andere Mannschaft nachnominieren. Etwa den Irak. Irans Sportminister verneinte im Fernsehen eine Teilnahme. Später wurden Gruppenspiele in Mexiko statt den USA zur Bedingung gemacht. Zählen würde einzig eine formale Absage. Die FIFA hofft darauf. Wenn der Iran Mikado spielt und nichts tut, um am letzten Tag abzusagen, sieht man alt aus.
6. Das Sportproblem: Belegen der Iran und die USA in ihren Gruppen den zweiten Platz, spielen Sie in der „K.o.-Phase“ – was für ein Wort – am 3. Juni in Dallas, Texas, gegeneinander. Angesichts der Gruppengegner Belgien, Ägypten und Neuseeland beziehungsweise Australien, Paraguay und ein Playoff-Qualifikant wäre das denkbar.
7. Das Politikproblem: Geradezu lächerlich wird hier das von der FIFA gepflegte Klischee vom unpolitischen Fußball. USA und Iran würden in Nationalfarben gekleidet mit ihren Nationalhymnen aufmarschieren. Auf den Tribünen werden nationale Flaggen geschwenkt. Jeder amerikanische Zuseher ist entweder Kriegsbefürworter oder Kriegsgegner. Iranische Zuschauer sind Regimegegner im Exil, der Rest darf nicht einreisen.
8. Das Spielerproblem: Dafür sind alle iranischen Kicker handverlesene Propagandisten ihres Schreckensregimes. Sardar Azmoun, einst Stürmer in Deutschland bei Bayer Leverkusen, wurde aus der Mannschaft ausgeschlossen, nur weil er auf einem Foto neben dem Scheich von Dubai zu sehen ist. Dafür hätte der Betreuerstab statt Masseuren und Zeugwarten eine Geheimagenten-Quote von 100 Prozent.
9. Das Meinungsproblem: Die FIFA kann nicht damit umgehen, dass Fußballer und deren Fans Menschen mit Menschenrechten sind. Sie glaubt an das Untersagen politischer Meinungsäußerungen von Sportlern und will politische Symbole im Publikum verbieten. Das kann nur sichergestellt werden, wenn auf dem Platz und den Tribünen lauter Nackte mit Maulkorb sind.
10. Das Grundrechtsproblem: Eine Fußball-WM braucht polizeilichen Schutz. Was trotzdem nicht sein dürfte: das Ausschnüffeln aller Telefonate, E-Mails und Postings in sozialen Netzwerken bis zu zehn Jahre vor der Einreise. Welche dann nach Gutdünken eines Möchtegern-Diktators willkürlich gewährt oder nicht gewährt wird. Sowohl in Russland 2018 als auch in Katar 2022 wurden Eintrittskarten mit einem Visum verknüpft. In den USA 2026 nicht.
