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Wenn in der Küche der Dampfabzug streikt: unser Kolumnist über KI und Handwerk

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05.03.2026

Wenn in der Küche der Dampfabzug streikt: unser Kolumnist über KI und Handwerk

Künstliche Intelligenz kremple die Arbeitswelt um – und verschärfe zugleich den Fachkräftemangel. Zudem schreibt unser Kolumnist: «Die Schweiz wird mehr und mehr zu einem Land von Studierenden.»

Vor kurzem streikte in unserer Küche der Dampfabzug. Ein Anruf – und der örtliche Schreiner, der die Küche vor rund fünf Jahren eingebaut hatte, war zur Stelle. Mit ihm konnte ich die Angelegenheit mit dem Schweizer Hersteller des Dampfabzugs rasch regeln. Das ist ein gutes Beispiel, das zeigt, wie hilfreich es ist, wenn man bei einem Anlage- oder Geräteausfall auf hiesige Handwerker und Hersteller zählen kann.

Angesichts von künstlicher Intelligenz und Fachkräftemangel fragt sich unser Kolumnist, wer künftig in seiner Küche etwas reparieren wird.

Doch das wird zunehmend schwieriger, weil es im Handwerksbereich an Fachpersonen mangelt und immer weniger Produkte in der Schweiz hergestellt werden. Auch die Schreinerei, die unsere Küche realisiert hatte, sieht sich leider veranlasst, per Ende dieses Monats «aufgrund fehlender Nachfolge und Fachkräftemangel» nach über 90 Jahren den Betrieb zu schliessen.

Der Fachkräftemangel wird mehr und mehr zu einem Problem. Es fehlt an allen Ecken an guten Berufsleuten, die eine solide Berufslehre hinter sich haben. Das hat auch mit fehlender Wertschätzung von Handwerksberufen zu tun. Es gibt sogar Eltern, die sich schämen, wenn ihre Kinder «nur» eine Lehre machen.

Beat Nützi, ehemaliger Chefredaktor Oltner Tagblatt.

Zugleich bekunden vermehrt Universitätsabsolventinnen und -absolventen Mühe, eine Arbeitsstelle zu finden. Manche bleiben sogar arbeitslos. Und sie geraten bereits in jungen Jahren in eine Krise, weil ihre Erwartungen nicht erfüllt werden und das Studium, auf das die Eltern so stolz sind, nicht zu einem gut bezahlten Job führt.

Es schleckt keine Geiss weg: Die Schweiz wird mehr und mehr zu einem Land von Studierenden. Obschon nach wie vor rund drei Viertel der Schulabgänger den Weg über eine Berufslehre einschlagen, landen zuletzt gut die Hälfte auf der Tertiärstufe mit Hochschuldiplom oder Abschluss an einer Fachhochschule oder Höheren Fachschule. Ihr Anteil soll sich laut Experten bis 2045 auf 60 Prozent steigern.

«Die Schweiz wird mehr und mehr zu einem Land von Studierenden.»

Das heisst: Die Akademisierung schreitet voran und wird wohl durch Künstliche Intelligenz (KI) noch beschleunigt. Denn die Arbeitswelt steht vor der grössten Transformation seit der industriellen Revolution. KI verändert nicht nur einzelne Tätigkeiten, sondern ganze Berufsbilder. Und das nicht nur seit heute. Die Zahl der Stellenausschreibungen mit KI-Bezug hat sich in der Schweiz seit 2018 bereits verzehnfacht, von 2000 auf über 20'000 im Jahr 2024.

Die Bildungsverantwortlichen sind herausgefordert, jene im Bereich der Hochschulen ebenso wie jene im Berufsbildungswesen. Wahrscheinlich muss alles noch durchlässiger werden. Durch KI getrieben rücken Studium und Berufslehre weiter zusammen. Doch die Nachwuchsprobleme bei Handwerk und Bau, vor allem in den «Schmutzberufen», dürften sich wohl noch verschärfen. Hier sollen unter Einsatz von KI künftig kollaborative Roboter Berufsbilder verändern und Menschen bei körperlich schwerer (Schmutz-)Arbeit entlasten.

Die Nachwuchsprobleme bei Handwerk und Bau dürften sich wohl noch verschärfen, schreibt unser Kolumnist.

Die Attraktivität von Handwerksberufen ist auch dadurch zu erhöhen, indem ihnen mehr Wertschätzung entgegengebracht und mehr Lohngerechtigkeit zwischen akademischen und handwerklichen Berufen geschaffen wird. Denn zum Handwerk gilt es Sorge zu tragen, weil Gesellschaft und Wirtschaft darauf angewiesen sind, auch wenn Roboter, 3D-Drucker und andere KI-Automatisierungen die Arbeitswelt nachhaltig verändern.

Zudem hat die Pensionierungswelle der Babyboomer zur Folge, dass in der Arbeitswelt zumindest vorübergehend überall Lücken und gleichzeitig ein zusätzlicher Mehrbedarf an Arbeitskräften im Gesundheits- und Pflegebereich entstehen.

Zweifelsohne bringt der Umbruch in der Arbeitswelt grosse Herausforderungen. Da erscheint es müssig, wenn ich mich heute frage, wohin ich mich wohl künftig melden muss, wenn in unserer Küche das nächste Mal etwas streikt.

Beat Nützi, ehemaliger Chefredaktor Oltner Tagblatt

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Künstliche Intelligenz

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