Wolfram Weimer: Tricksen, täuschen, tarnen
Wer »Deutschland verrecke!« an seiner Markise stehen hat, könne nicht preiswürdig sein und »Staatspreise sollten nicht an Extremisten verliehen werden«. Das erklärte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer am Mittwoch im Deutschlandfunk. Beide Standpunkte überraschen nicht unbedingt bei einem konservativen Kulturpolitiker. Weimer ist zwar parteilos, sein Profil ist aber eindeutig liberal-konservativ. Seitdem er ernannt wurde, war klar, dass es Brüche zur Politik seiner Vorgängerin Claudia Roth geben würde.
Das ist erst einmal kein Problem. Dass eine konservativere Regierung auch konservativere Kulturpolitik macht, ist kein Beinbruch. Wie Wolfram Weimer Politik macht, hingegen schon. Er hätte klar sagen können, dass er die linken Buchläden nicht für förderungswürdig hält, stattdessen ließ er in einer Mail die Lüge verbreiten, dass sich die Jury gegen ihre Auszeichnung entschieden habe. Die Mitglieder der Jury bestreiten das. Die Lüge allein wäre schon Grund genug für einen Rausschmiss. Der Skandal um den Buchhandlungspreis ist nur der neueste in einer längeren Reihe. Dass Friedrich Merz seinen Kumpel ersetzen wird, ist dennoch unwahrscheinlich.
Während von der herrschenden Politik nicht viel zu erwarten ist, äußert sich die Buchbranche umso erfreulicher. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der nicht als linksradikale Organisation bekannt ist, stellt sich beispielsweise klar hinter die drei Buchhandlungen. Noch bedeutender, die 115 übrigen ausgezeichneten Buchläden haben sich solidarisiert und sammeln nun selbstständig »Preisgelder« für die drei linken Läden.
