Das Taschengeld muss weg
Für die Politik sind Freiwilligendienste ein Glücksgriff: In Bereichen, die sie selbst kaputt sparen, schuften junge Menschen fast unbezahlt. Eine Begründung dafür geht vielen leicht von der Zunge – um die Demokratie zu retten, solle man sich gegenseitig unter die Arme greifen. Erst am Dienstag hat Bildungsministerin Karin Prien (CDU) verkündet, mit einem neuen Gesetz die Dienste stärken zu wollen. Die Menschen sollten sich mehr für das Land engagieren. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat nun reagiert und eine bessere Finanzierung gefordert. Das Absolvieren scheitere häufig »am zu geringen Taschengeld«. Die Kritik des DRK ist zwar richtig, doch die Forderung müsste konkreter sein – und tiefer greifen.
Das »Taschengeld« sollte nicht höher ausfallen, sondern wegfallen. Schon vor der Einführung der Bundesfreiwilligendienste 2011 warnten Gewerkschaften davor, dass sich der Niedriglohnsektor ausweiten würde. Das »Taschengeld« des Bundesfreiwilligendiensts liegt nach letztem Stand bei maximal 664 Euro monatlich. Daraus ergibt sich ein lächerlicher Stundenlohn. Stattdessen sollten die Freiwilligen das volle Gehalt ihrer Kolleg*innen erhalten. Wer Arbeit leistet, muss diese bezahlt bekommen – so einfach ist es. Gleichzeitig wäre es echte Anerkennung, kein Lippenbekenntnis.
Die Dienste zahlen sollte der Staat. Und damit in Gesundheit, Bildung und Umweltschutz investieren, also Bereiche, in denen viele ihren Frewilligendienst leisten. Frau Prien: Sie sollten sich endlich mehr für die Menschen engagieren.
