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Papst Leo XIV.: Ein Fall für den Verfassungsschutz

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16.04.2026

Lebte Papst Leo in Deutschland, wäre er ein Fall für den Verfassungsschutz. »Die imperialistische Besatzung der Welt wird von innen gebrochen«, versprach der Heilige Vater unlängst in seiner Osterbotschaft. »Die Gewalt, die bislang Gesetz gewesen ist, wird demaskiert.« Nicholas Potter, Experte für »die autoritäre Linke«, hat Aktivisten hierzulande schon für weniger bei den Behörden denunziert.

Doch damit nicht genug: Wenig Tage später schob Papst Leo gleich noch hinterher: »Hunderte Millionen Menschen leben in extremer Armut. Gleichzeitig liegt unverhältnismäßiger Reichtum in den Händen einiger weniger. Die Ungleichheiten sind nicht in einem Mangel an Ressourcen begründet.« Auf der Plattform X analysierte die Publizistin Bafta Sarbo messerscharf, der Papst habe damit eigentlich nur auf die zu überwindende Kluft zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen hingewiesen.

Als hätte die Trump-Regierung geahnt, wie dieser Papst nach anfänglicher Zurückhaltung aufdrehen würde, bestellte sie bereits zu Jahresbeginn den vatikanischen Nuntius ins Pentagon ein. Zwar dementierten die Beteiligten erste Berichte, wonach Mitarbeiter von Verteidigungsminister Pete Hegseth, einem bekennenden Kreuzritter, dem Heiligen Stuhl mit einer »Avignon«-Option gedroht hätten – also einer Unterwerfung des Papstes, wie sie die französische Krone im 14. Jahrhundert erzwang. Doch auch ohne ausdrückliche Drohungen stellt sich natürlich die Frage, warum die Trump-Regierung mit Kirchenleuten im Pentagon spricht.

Dass sich mittlerweile Teile der rechtsextremen MAGA-Bewegung von Trump lossagen, hat trotzdem nur in zweiter Linie mit Papst Leo zu tun. Tucker Carlson, Candace Owen und andere rechtsextreme Broadcaster, die mit ihrem Garagenfernsehen ein Millionenpublikum hinter sich versammelt haben, sind zwar erzkatholisch. Doch sauer sind sie auf Trump vor allem wegen des Bruchs außenpolitischer Versprechen. Die MAGA-Bewegung wollte den Rückzug der USA auf die eigenen Landesgrenzen plus amerikanischem Hinterhof. Jetzt hingegen gibt es neue globale Kriege und, wie der Rechtsextreme Tucker Carlson empört analysiert, eine unmoralische Politik »des Diebstahls«.

Es wäre allerdings falsch, den Papst mit den MAGA-Katholiken in einen Topf zu werfen. Leos Imperialismus-Kritik geht mit der Forderung nach einer solidarischen und weniger rassistischen Welt einher. Wie lange das Pentagon sich das noch mit anschauen wird, wird man sehen. Bleibt nur zu hoffen, dass auch die deutsche Linkspartei auszusprechen wagt, wofür man offenbar kein*e Marxist*in sein muss: »Die imperialistische Besatzung der Welt muss gebrochen werden. Die strukturelle Gewalt, so lange verschleiert, ist endlich demaskiert.« Schwester Ines, hunc papam sequere – folge dem Beispiel dieses Papstes. 


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