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Ein Social-Media-Verbot für Kinder ist richtig

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16.02.2026

Die SPD schlägt vor, Kindern unter 14 Jahren den Zugang zu Social-Media zu verbieten. Verbote sollten in einer Demokratie immer mit Argwohn betrachtet werden, doch den Kritiker*innen dieses Vorschlags sei gesagt: Ein solches Verbot richtet sich nicht gegen Kinder, sondern gegen die zügellose Allmacht von Social-Media-Konzernen.

Wer vor der Einschränkung der Meinungsfreiheit warnt, muss erkennen, dass diese digitalen Räume einfach nicht neutral sind. Plattformen belohnen Inhalte, die Wut, Angst oder Empörung erzeugen, mit mehr Reichweite. Hinzu kommt die politische Agenda von weirden US-Tech-Milliardären, wie Elon Musk. Soziale Medien sind kein freier Markt der Ideen, sondern blinkende Beeinflussungsmaschinen, die süchtig machen. Kinder bewegen sich so in einem gelenkten System, das zwischen tanzenden Welpen und Pannen-Videos Content von maskulinistischen Frauenhassern und Rechtsextremisten mischt.

Natürlich reicht ein Verbot allein nicht. Kinder müssen gleichzeitig lernen, digital mündig zu werden. Medienbildung gehört in die Schulen wie Lesen und Schreiben. Aber Mündigkeit entsteht nicht im direkten Duell zwischen 13-Jährigen und Multimilliarden-Unternehmen, deren gesamtes Informations-Design auf Suchtmechanismen ausgerichtet ist.

Das Internet wird nie vollständig sicher sein – und das muss es auch nicht. Doch eine demokratische Gesellschaft darf nicht die tägliche Zwangsfütterung von algorithmisch kuratiertem Müll an ihre Kinder als ein Zeichen von Freiheit missdeuten, sondern muss endlich korrigierend einschreiten.

Schon jetzt zeigen über die Hälfte aller Deutschen unter 20 Jahren Anzeichen von Suchtverhalten bei Social-Media-Konsum. Dass solche Debatten nötig sind, zeigt auch ein wegweisendes Gerichtsverfahren in Kalifornien gegen Youtube und Instagram, in dem eine jetzt 20-Jährige den Konzernen vorwirft, gezielt Designs entwickelt zu haben, die Jugendliche abhängig machen und psychisch belasten.


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