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Preiskontrollen gegen Armutsfalle

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Inflation ist ein massiver Treiber sozialer Ungleichheit. Das ist nicht erst seit der Coronakrise klar, war aber vielen wohl nicht mehr geläufig. Die Forschung belegt, dass ein Schock bei Lebensmittelpreisen die einkommensschwächsten zehn Prozent der Haushalte um 126 Prozent stärker belastet als die reichsten zehn Prozent.

Nun droht erneut eine Inflationswelle angesichts des anhaltenden Iran-Krieges und steigender Energiepreise. Ökonom*innen warnen vor einem vorübergehenden, bei längerer Konfliktdauer womöglich sogar eklatanten Schub. In jedem Fall ist ein drastischer Rückgang beim Realeinkommen wahrscheinlich.

Klassischerweise wäre der Inflationsausgleich eine Kernaufgabe der Gewerkschaften. Doch der tarifliche Hebel funktioniert für immer weniger Menschen: Sinkende Tarifbindung und die Ausweitung prekärer Arbeitsverhältnisse verhindern, dass erstrittene Lohnabschlüsse greifen, wo die finanzielle Not am größten ist – ganz zu schweigen von Erwerbslosen und Menschen, die auf Sozialhilfe angewiesen sind.

Deshalb sind staatliche Eingriffe leider notwendig. Aber nicht in Form von einmaligen Hau-Ruck-Aktionen, die immer nur dann vorgenommen werden, wenn Unternehmen ihr ökonomisches Gewicht in die Waagschale werfen.

Stattdessen braucht es für Krisen und Schocks vorhersehbare und verlässliche Preiskontrollen für lebenswichtige Konsumgüter, wie die Ökonomin Isabella Weber seit Jahren nicht müde wird zu betonen. Zudem muss der Staat systematisch Puffer und Reserven für systemrelevante Produkte aufbauen, um preisdämpfend eingreifen zu können.

Dass solche Eingriffe lange als verpönt galten, hat nichts mit ökonomischer Vernunft zu tun, sondern mit ideologischen Scheuklappen aus der Zeit des Kalten Krieges. Überfällig, dass sich das endlich ändert.


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