Frauen*Generalstreik: Feministisches Schneeballsystem
Wie ein Schneeballsystem sei die Plattform »Enough! Genug! Basta!« entstanden, die zum globalen Frauenstreik am 9. März aufgerufen hat, sagt Adrienne Goehler. Die Idee sei vor knapp einem Jahr entstanden, im Rahmen einer Veranstaltung zu Matriarchat und Patriarchat. »Wahnsinnig abstrakt« sei die Diskussion gewesen. Es waren keine Organisationen, die den Aufruf gestartet haben, sondern »vier Frauen, die sich füreinander interessiert haben«. Eine dieser vier Frauen ist Adrienne Goehler.
Die 1955 geborene Psychologin initiierte schon 1986 einen feministischen Coup. Der unter dem Namen »Grün-Alternative-Liste« firmierende Landesverband der Grünen zog damals in die Hamburger Bürgerschaft ein – mit einer 13-köpfigen reinen Frauenfraktion. »Wir können sie nicht mehr ertragen, diese 50- bis 60-jährigen dunklen Anzüge, die unterschiedslos Bauknecht-Küchen, Autobahnabschnitte und Atommeiler einweihen«, hatte Goehler, bei einer Wahlkampfveranstaltung gesagt.
Seit Anfang der 90er Jahre parteilos, war Goehler 2001 für gut ein halbes Jahr Berliner Kultursenatorin in einer rot-grünen Übergangsregierung. Jetzt macht sie außerhalb der Institutionen feministische Politik – mit großer Reichweite. Aus einem ersten Treffen mit rund 60 Teilnehmerinnen ist binnen eines Jahres eine zumindest in Deutschland beeindruckende Vielfalt von Veranstaltungen geworden. Mehr als 1200 Multiplikatorinnen tragen bei, 80 Regionalgruppen rufen mit Aktionen dazu auf, »bezahlte und unbezahlte Arbeit symbolisch zu unterbrechen und sichtbar zu machen, wie stark Gesellschaft und Wirtschaft von der Arbeit der Frauen* abhängt.«
