Verhandlungen in Pakistan: Schwarzer Peter für Peking und Teheran
Wer miteinander redet, kann nicht aufeinander schießen. Diese einfache Maxime macht deutlich, warum Verhandlungen in kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen zwei oder mehreren Staaten immer Sinn machen. Ob in der Ukraine oder wie jetzt in Pakistan, wo am heutigen Samstag die Gespräche über ein Ende im Krieg gegen den Iran beginnen: Diplomatie ist mehr als eine Verschnaufpause; sie rettet unschuldiges Leben. Denn in jedem Krieg sterben immer auch Menschen, die an dem Streit zwischen ihren Staatsführern nicht beteiligt sind: Im Iran sind laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation inzwischen mehr als 1400 Zivilisten von den Bomben der Israelis und US-Amerikaner getötet worden. Das nennt man dann »Kolateralschäden«, eine euphemistische Umschreibung für Massenmord.
Noch bevor in Islamabad überhaupt ein Wort gewechselt wurde, gibt es bereits ein erstes Störfeuer aus den USA. Geheimdienstinformationen zufolge bereitet China die Lieferung von Luftabwehrsystemen an die Islamische Republik vor. Diese Nachricht ist in doppelter Hinsicht, sagen wir: nicht gerade hilfreich für die anstehenden Gespräche. Denn zum einen sät diese Meldung – ob sie stimmt, sei dahingestellt – Zwietracht und Verunsicherung zwischen den Teilnehmern in der pakistanischen Hauptstadt. Und genau das kann man dort gerade nicht gebrauchen. Zum anderen bietet diese angebliche Erkenntnis US-Präsident Donald Trump die Möglichkeit, mit dem Finger nach Teheran und Peking zu zeigen, falls man ohne Ergebnisse auseinander gehen sollte. Motto: Wir sind bereit für Frieden, ihr aber nicht! Damit schiebt Washington Chinesen und Iranern praktisch den Schwarzen Peter zu. Und wer das Kartenspiel kennt, weiß: Diese Karte wieder loszuwerden, ist sehr schwer. Ich behalte sie oft als Letztes auf der Hand.
Und doch kann aus der zweiwöchigen Waffenruhe, die momentan gilt, ein nachhaltiger Frieden werden. Was in einem entsprechenden Vertrag aber unbedingt mit vereinbart gehört, sind Reparationszahlungen an die Opfer der US-amerikanischen und israelischen Aggression. Klar: Geld bringt den Opferfamilien ihre Geliebten nicht zurück, kann aber eine wichtige Hilfe für einen Neuanfang sein. Zerstörte Häuser und Infrastruktur gibt es im Iran nach wochenlangen Angriffen mehr als genug: Nach Angaben des Roten Halbmonds sind inzwischen mehr als 100 000 zivile Einrichtungen beschädigt oder zerstört worden. Allein in der Hauptstadt Teheran wurden demnach fast 40 000 Wohngebäude und Geschäftseinheiten getroffen. Zudem hat der Krieg gegen den Iran Washington und Tel Aviv schon jetzt eine Stange Geld gekostet: Schätzungen gehen davon aus, dass die USA aktuell zwischen 900 Millionen bis eine Milliarde US-Dollar pro Tag für den Kriegseinsatz im Iran hinblättern. Da wird dann doch etwas für die Hinterbliebenen ihres Bombenterrors da sein.
