menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Iran und Ukraine: Das Geschäft mit dem Tod

9 0
11.03.2026

Gerade erst ist der Dauerbeschuss Gazas leiser geworden, da schlägt Israel wieder mit aller Härte zu. Zusammen mit den USA bombardiert man mittlerweile Ziele im Iran und Libanon. Als Reaktion beschießt Teheran seine arabischen Nachbarländer mit Raketen. Der befürchtete Flächenbrand in der Region ist eingetreten. Dazu tobt seit vier Jahren ein erbarmungsloser Bruderkrieg in der Ukraine.

Iran und Ukraine sind nur die im Westen bekanntesten Konflikte: Laut einer Studie des Geodaten-Anbieters Michael Bauer gab es von Januar bis September 2025 weltweit 89 Kriege, elf mehr als im gesamten Vorjahr. Eine unglaubliche Zahl. Und zur traurigen Wahrheit gehört: Wo Menschen sterben, da verdienen andere gutes Geld. Oder anders: Weil Kinder zu Waisen werden, fahren Geschäftsleute exklusive Autos und tragen teure Uhren.

Einer der Kriegsprofiteure des täglichen Wahnsinns ist Rheinmetall mit Sitz in Düsseldorf. Wie am Mittwoch bekannt wurde, kletterte der Umsatz des Konzerns im Vergleich zum Vorjahr um 29 Prozent auf rund 9,9 Milliarden Euro. Und der Gewinn vor Steuern legte um 33 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro zu. Schaut man sich die Entwicklung der Rheinmetall-Aktie an, zeigt sich ein ähnliches Bild: Sie stieg von Kursen unter 83 Euro Anfang 2022 auf fast 2000 Euro Anfang 2026. Das ist eine Steigerung um fast das Fünfundzwanzigfache!

Christian Klemm arbeitet seit 2007 beim »nd«. Er ist Leiter des Online-Ressorts nd.aktuell.

Diese Entwicklung ist kein Zufall: Am 24. Februar 2022 haben russische Soldaten die Grenze zur Ukraine überschritten. Drei Tage später hielt Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) seine »Zeitenwende-Rede« im Bundestag. Das Ergebnis: 100 Milliarden Euro mehr für die Bundeswehr. Es gibt also einen direkten Zusammenhang von Industrie, Militär und Politik: Man kennt ihn unter dem Namen militärisch-industrieller Komplex.

Und den gibt es natürlich auch in anderen Industrienationen des Globalen Nordens. Beispiel BAE Systems, der führende Rüstungskonzern in Europa: Der Umsatz dieses britischen Unternehmens kletterte im vergangenen Jahr um zehn Prozent auf 30,7 Milliarden Pfund. Das operative Ergebnis stieg um zwölf Prozent auf 3,3 Milliarden Pfund. Und Lockheed Martin, die Nummer eins unter den Rüstungskonzernen weltweit, erzielte für 2025 einen Umsatz von 75 Milliarden US-Dollar, was einer Steigerung von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr für die US-Firma bedeutet.

Das Internationale Friedensforschungsinstitut Sipri hat vor wenigen Tagen neue Zahlen über den globalen Waffenhandel veröffentlicht. Demnach hat sich dessen Volumen zwischen 2021 und 2025 im Vergleich zum vorangegangenen Fünfjahreszeitraum um 9,2 Prozent vergrößert. In Europa (33 Prozent), Asien und Ozeanien (31 Prozent) sowie im Nahen Osten (26 Prozent) wird am meisten Kriegsgerät gekauft.

»Si vis pacem, para bellum« (deutsch: Wenn du Frieden willst, bereite den Krieg vor). Diesem lateinischen Sprichwort folgen inzwischen alle Großmächte weltweit, die einen mehr, die anderen weniger. Doch schnell wird aus einem Versehen oder Missverständnis ein Streit; und schnell wird aus einem Streit eine Auseinandersetzung. Angesichts der enormen Aufrüstung weltweit laufen auch wir in Deutschland damit Gefahr, zur Zielscheibe zu werden. Kein schönes Gefühl.


© Neues Deutschland