Warum der Angriff auf Iran? Trump, Rubio und Vance widersprechen sich
Warum der Angriff auf Iran? Trump, Rubio und Vance widersprechen sich
Geht es um die Atomanlagen? Um die Gefahr von Langstreckenraketen? Oder um einen Regime-Wechsel? Die Motive für den US-Angriff auf Iran wechseln. Warum das ein Problem ist.
Drei Männer, drei Meinungen: Vizepräsident JD Vance, Präsident Donald Trump, Aussenminister Marco Rubio – hier bei einem Auftritt in Davos im Januar.
Wer in den vergangenen Tagen zugehört hat, wie der US-Präsident und seine wichtigsten Minister den Angriff auf Iran erklären, ist zunehmend verwirrt. Denn die Begründungen ändern sich von Tag zu Tag:
Donald Trump: Der Präsident stellte den Krieg zuerst als Schlag gegen Irans Atomprogramm dar. Die Mullahs dürften niemals in den Besitz einer Atombombe gelangen. Zugleich deutete er das Ziel eines Regimewechsels an, als er die Iraner aufforderte, «die Regierung zu übernehmen». Am Montag trat er erneut auf. Von Regimewechsel keine Spur mehr. Und statt von atomarer Bedrohung sprach er davon, Iran müsse daran gehindert werden, mit Raketen amerikanisches Territorium erreichen zu können.
Marco Rubio: Einen anderen Akzent setzte der Aussenminister. Man habe gewusst, dass Israel einen Angriff vorbereite. Dieser hätte iranische Gegenschläge gegen amerikanische Truppen ausgelöst. Also habe Washington selbst zuerst gehandelt, um Risiken für amerikanische Stützpunkte zu minimieren, begründete Rubio den US-Angriff. Weder das Atomprogramm noch die Langstreckenraketen waren demnach das Motiv für den Angriff.
JD Vance: Der Vizepräsident wiederum redete den Krieg klein. Während Trump sagte, die ganz grossen Angriffswellen stünden noch bevor und der Krieg könne fünf Wochen oder länger dauern, sagte Vance, der Konflikt werde kurz sein. Trump verwickle die USA und ihre Soldaten nicht wie frühere Präsidenten in längere Kriege. Doch der Präsident selbst schliesst inzwischen nicht einmal Bodentruppen mehr aus.
Einigkeit klingt anders: Die Rechtfertigungen reichen von der Zerstörung des Atomprogramms über unmittelbare Raketenabwehr bis zur Präemption eines israelischen Angriffs und einem Regime-Wechsel. Doch ein Krieg braucht Klarheit über Ziel und Zweck. Sonst entsteht der Eindruck, man habe einfach mal geschossen – und suche die Argumentation dafür erst im Nachhinein.
Die Widersprüche sind zunächst ein innenpolitisches Problem für Trump. Er ist mit dem Versprechen angetreten, Kriege zu beenden, nicht neue zu beginnen. «America First» bedeutete für seine Basis: weniger Intervention, kein Amerikaner soll für die Sicherheit anderer Länder sterben. Wenn nun Ziel und Dauer des Einsatzes unklar bleiben, wird sich Trumps MAGA-Basis verraten fühlen.
Die Unklarheit hat aber Folgen über die Innenpolitik hinaus. In Europa und im Nahen Osten haben mehrere Regierungen bislang recht wohlwollend auf die US-Intervention und die Tötung der iranischen Führungsriege reagiert – mit Verweis auf Irans Raketen- und Nuklearprogramm und die Sicherheit Israels. Doch diese Unterstützung steht unter Vorbehalt. Verbündete tragen militärische und politische Risiken nur mit, wenn Ziel, Umfang und Exit-Strategie nachvollziehbar sind. Je widersprüchlicher die Erklärungen aus Washington klingen, desto schneller könnte die Stimmung kippen – gegen die USA.
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America First Committee
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