Mehr Protest, weniger Wirkung
Mehr Protest, weniger Wirkung
Es gibt zu viele Proteste, findet ein Schüler der Kantonsschule Sursee. Damit sie wieder wirksam werden, müsse sich etwas ändern.
Bern, Innenstadt: Schilder mit Forderungen werden gezeigt, eine grosse Menschenmenge zieht durch die Altstadt. Es ist laut, im Fernsehen wird darüber berichtet, die Polizei wird aufgefahren, weil doch so manche Fensterscheiben zerschlagen werden. Und trotzdem ist es nach ein paar Wochen wieder vergessen.
Die Mitarbeitenden des Luzerner Theaters protestierten gegen den Plan B des Luzerner Stadtrates.
Ob selbst miterlebt oder einfach in den Medien – wir alle haben schon mal einen Protest gesehen. Proteste sind ein Mittel, sich als Volk direkt über Missstände zu beschweren und sich einzusetzen, zum Beispiel gegen den Klimawandel oder gegen Unterdrückung. Zwar nehmen wir sie zur Kenntnis, jedoch sind sie für uns oft nach wenigen Tagen oder Wochen wieder irrelevant. Nicht, weil die Themen uns nicht betreffen oder uns Proteste gleichgültig sind, sondern vielmehr aus Gewohnheit.
Es gibt jedes Jahr mehrere Proteste zu verschiedenen Themen, was sie von einem Ausnahmefall zu einer Gewohnheit macht. Und das nimmt Protesten das Gewicht. Gewohnheiten werden als gegeben gesehen, sie tragen kein Gewicht, deswegen werden sie auch weniger ernst genommen. Die vielen Proteste nehmen sich gegenseitig das Spotlight und verlieren so kollektiv ihre Wirkung.
Proteste haben immer weniger Bedeutung, was auch daran liegt, dass man bei Protesten immer öfter einfach seine eigene Meinung durchsetzen will. Wie ein Streit zwischen Kindern: «Ich habe recht, du nicht!». Anstelle von Zusammenarbeit der beiden Seiten gilt eine politische Abgrenzung. Die dazukommende Gewalt schreckt nochmals viele Leute von Protesten ab, was sich negativ auf die Wirksamkeit derselben auswirkt, denn beim Anwenden von Gewalt wird man nicht mehr als Protestbewegung angesehen, sondern als Terrorgruppe.
Nur wenn Proteste wieder eine gewichtige Ausnahmesituation werden, wieder seriös nach friedlicher Veränderung streben und wieder Zusammenarbeit anstelle von Abgrenzung fördern, erlangen sie ihr Gewicht und ihre Seriosität zurück – und bewirken wieder das, was sie einfordern.
Jann Suter ist 17 Jahre alt und Schüler an der Kantonsschule Sursee. In der U20-Kolumne äussern sich jeweils alle zwei Wochen Lernende von Kantonsschulen zu einem frei gewählten Thema. Ihre Meinung muss nicht mit derjenigen der Redaktion übereinstimmen.
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