Taliban legalisieren häusliche Gewalt, solange „keine Knochen gebrochen“ werden
Taliban legalisieren häusliche Gewalt, solange „keine Knochen gebrochen“ werden
Ein neues Gesetzespaket der Taliban ermöglicht nun Ehemännern, ihre Frauen legal zu schlagen – solange sie keine stark sichtbaren Verletzungen davon tragen.
Die Taliban haben Anfang des Jahres mit Artikel 4 ein Gesetzespaket verabschiedet, unter dem Männer ihre Ehefrauen und Kinder physisch durch sogenannte „Ermessensstrafen“ misshandeln können, solange sie ihnen keine Knochenbrüche oder offene Wunden zufügen. Nur, wenn sie ihnen schlimme sichtbare Verletzungen zufügen, können sie dafür mit maximal 15 Tagen Gefängnis bestraft werden – vorausgesetzt die betroffene Frau kann es vor Gericht beweisen. Sie muss die Verletzungen dem Richter zeigen und kann nur mit ihrem Ehemann oder einem anderen männlichen Vormund vor Gericht erscheinen – auch wenn dieser derjenige ist, der ihr die Gewalt angetan hat.
Gleichzeitig teilen sie in Artikel 9 die afghanische Gesellschaft formell in ein Kastensystem: Religionsgelehrte, Elite (Stammesälteste, einflussreiche Befehlshaber), Mittelklasse und Unterschicht. In diesem System entscheidet über ein und die selbe Tat nicht die Schwere des Verbrechens, sondern die Kaste, der man angehört, über eine eventuelle Verurteilung. Geistliche sollen so lediglich „Ratschläge“ erhalten, Angehörige der Elite werden von den Behörden zu „Empfehlungen“ vorgeladen, Angehörige der Mittelklasse riskieren Gefängnisstrafen und Angehörige der Unterschicht riskieren Körper- und Gefängnisstrafen.
Dies geschieht in einem Klima, in dem Merkmale von Gewalt kaum von anderen sichtbar sind, weil Frauen rund um die Uhr komplett bedeckt sein müssen. In einem Klima, in dem Frauen in Afghanistan mit bis zu drei Monaten Haft bestraft werden können, wenn sie ihre Familie ohne die Erlaubnis ihres Ehemanns besucht.
Seit die Taliban 2021 wieder an die Macht gekommen sind, haben Frauen und Mädchen ihren Zugang zu Bildung, dem Großteil der Jobs, dem Großteil der Gesundheitsversorgung (weil sie nur von weiblichen Ärztinnen behandelt werden sollen, während Frauen kaum noch medizinische Berufe ausführen dürfen) und den Zugang zum öffentlichen Leben verloren. Bewegungsfreiheit ohne männliche Begleitung wird ihnen verwehrt und Fenster mit Sicht auf von Frauen genutzte Orte zugemauert.
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