Ein Importverbot von koscherem Fleisch gefährdet jüdisches Leben
01. Oktober 2026 – 20. Tischri 5787
AboAngebote PrintAngebote E-PaperAbo-Service
AboAngebote PrintAngebote E-PaperAbo-Service
Ein Importverbot von koscherem Fleisch gefährdet jüdisches Leben
Ein Kommentar von Jonathan Kreutner, Generalsekretär des jüdischen Dachverbands SIG
01.10.2026 17:50 Uhr
Wer jüdischen Menschen empfiehlt, auf Fleisch zu verzichten oder es im Ausland zu kaufen, macht es sich leicht. Zu leicht, wenn diese Empfehlung ein Verbot rechtfertigen soll, das die Grundlagen jüdischen Lebens in der Schweiz gefährdet.
Die Nationalrätin Nina Fehr Düsel von der Schweizerischen Volkspartei SVP will die gesetzlich verankerte Einfuhr von koscherem und Halalfleisch überprüfen lassen. Sie bezeichnet den Import als Umgehung des Schweizer Schächtverbots. Dabei ist er ausdrücklich vorgesehen, um die Versorgung der jüdischen und muslimischen Gemeinschaften sicherzustellen. Der Gesetzgeber hat damit der Religionsfreiheit Rechnung getragen, die die Schweizer Bundesverfassung garantiert.
Auch die Geschichte gehört zu dieser Debatte. Das Schächtverbot wurde in der Schweiz im Jahr 1893 mit der ersten eidgenössischen Volksinitiative eingeführt. Die Kampagne war von antijüdischen Ressentiments geprägt und richtete sich auch gegen die errungene Gleichstellung der jüdischen Bevölkerung. Der Import sichert seither die Versorgung mit koscherem Fleisch,........
