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Ende einer Epoche und Auftrag

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15.03.2026

15. März 2026 – 26. Adar 5786

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Ende einer Epoche und Auftrag

Jürgen Habermas ist im Alter von 96 Jahren gestorben. Zum Tod des renommiertes Denkers ein Nachruf aus jüdischer Sicht

Wer »kommunikatives Handeln« und »herrschaftsfreien Diskurs« pflegt, muss den Namen Jürgen Habermas nicht extra nennen. Impulse und Werk des am Samstag, 14. März, im Alter von 96 Jahren verstorbenen Philosophen gehören zum Inventar besonders, aber bei weitem nicht nur der Bundesrepublik Deutschland. Das zeigt, welche Wirkung sein Schaffen hat, aber auch, welche Lücke sein Tod hinterlässt. Denn es ist nicht absehbar, wer künftig so wirksam die nötigen Begriffe setzen und Handlungsorientierung bieten wird. 

Zur Erinnerung: Jürgen Habermas wurde im Juni 1929 geboren, wie auch Anne Frank, die im Frühjahr 1945 in Bergen Belsen ermordet wurde. Zwei Generationsverwandte mit denkbar verschiedenen Lebenschancen und -wegen. Habermas konnte nach 1945 die Chance ergreifen, das Arrangement seines bergischen Kleinstadt-Elternhauses mit dem Nationalsozialismus hinter sich zu lassen und konsequent, fragend und analytisch scharfsinnig, für die Gestaltung einer anderen Gesellschaft zu wirken. 

Immer wieder mischt der Philosoph Debatten auf, zuletzt nach dem 7. Oktober. Nun wird er 95 Jahre alt

Die Macht des Arguments

Meisterdenker und öffentlicher Intellektueller – in beiden Rollen höchstes Ansehen zu genießen, gelingt nur wenigen. Jürgen Habermas war einer von ihnen. Nun ist der Philosoph mit 96 Jahren gestorben.

Gradlinig war dieser Weg nicht, aber immer bewegt. Die Promotion im Fach Philosophie erfolgte 1954, betreut hat sie ein vormaliger NS-Aktivist, der sich geschmeidig in Bonn hatte halten können. Unbelastete Alternativen dürften ohnehin rar gewesen sein. Positioniert hat sich Habermas dagegen schon 1953 mit seinem öffentlichen Einspruch gegen die unveränderte Neuauflage von Martin Heideggers Freiburger Vorlesungen über Metaphysik aus dem Jahr 1935.

In der Sache war das eine Vorwegnahme von Habermas’ Einspruch gegen Ernst Nolte und........

© Juedische Allgemeine