menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Xavier Naidoo hat allen etwas vorgemacht

25 278
23.02.2026

23. Februar 2026 – 6. Adar 5786

AboAngebote PrintAbo-Service

AboAngebote PrintAbo-Service

Xavier Naidoo hat allen etwas vorgemacht

Der Popstar hat gerade erst sein Comeback gegeben, da verbreitet er wieder antisemitisch konnotierte Verschwörungsmythen. Spätestens jetzt ist seine angebliche Läuterung ganz und gar unglaubwürdig geworden

Kaum ist sein Comeback erfolgreich über die ersten deutschen Bühnen gegangen, verbreitet Xavier Naidoo schon wieder die abstrusesten Verschwörungstheorien. »Das sind Teufel, Dämonen, Kinderfresser. Das sind keine Menschen«, bricht es aus dem Mannheimer Sänger bei einer Kundgebung mit Bezug zum Fall des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein in Berlin heraus. Naidoo zitierte damit zum wiederholten Male eine Neuauflage der mittelalterlichen »Kindermörderlegende«, die einst genutzt wurde, um Juden zu diffamieren. In seiner modernen Variante ist die Vorstellung, dass die Eliten Säuglinge essen, vor allem durch die rechtsextreme Online-Subkultur »QAnon« verbreitet worden.

Jetzt schweigen jene prominenten Künstler und Politiker, die sich für die Rehabilitierung Naidoos eingesetzt haben.

Jetzt schweigen jene prominenten Künstler und Politiker, die sich für die Rehabilitierung Naidoos eingesetzt haben.

Der sich selbst als überzeugter Christ bezeichnende Popstar erklärte zudem, dass »wir bestimmt alle schon einen Menschen gefressen« haben, weil angeblich ein großer Chipshersteller seine Produkte mit »embryonalen Gewürzmitteln« versehen habe. Ziel sei es laut Naidoo »dass wir alle Kannibalen werden« und »mit ihnen zusammen in die Hölle runterfahren«. Diese kruden Gedanken werden gerade genüsslich von Antisemiten jeglicher Couleur in den sozialen Netzwerken aufgegriffen. Dagegen schweigen jene prominenten Künstler und Politiker, die sich in der Vergangenheit für die Rehabilitierung von Naidoo eingesetzt haben, wie die Rapper Kontra K oder Jan Delay, die Kulturmanagerin Claudia Roth, der Schauspieler Til Schweiger oder der Comedian Oliver Pocher, der vergangenes Jahr das Comeback Naidoos noch mit deutlichen Worten kommentierte: »Da ist er wieder! Sie haben versucht zu canceln, aber Talent und Können setzt sich immer durch!«

Nach Comeback: Mit diesen Aussagen verstört Xavier Naidoo

Der Mannheimer Soul-Musiker hat auf einer Demonstration in Berlin gegen Kindesmissbrauch unter anderem von »Menschenfressern« gesprochen. Ein Experte hält die Wortwahl für radikalisierend

Wie umgehen mit Xavier Naidoo?

Der Sänger kehrt auf die großen Bühnen zurück. Ausverkaufte Hallen treffen auf Antisemitismus-Vorfälle, anhängige Verfahren und eine umstrittene Entschuldigung - und auf die Frage, wie man heute dazu steht

Nicht wenige hatten davor gewarnt, Naidoos Beteuerung Glauben zu schenken, er habe sich von seinen einstigen extremistischen Ansichten gelöst. Die große Mehrheit wollte es damals nicht hören und Naidoo konnte wieder vor ausverkauften Hallen spielen. Doch spätestens jetzt sollten seine Fürsprecher zu der Erkenntnis kommen, dass Naidoo ihnen und der gesamten Öffentlichkeit etwas vorgemacht hat.

Der Autor ist freier Journalist in Berlin.

»Putin hat einen riesigen Repressionsapparat aufgebaut«

»Memorial«-Mitgründerin Irina Scherbakowa über vier Jahre Angriffskrieg gegen die Ukraine und die Folgen für die russische Gesellschaft

von Ralf Balke  22.02.2026

Wegen israelfeindlicher Propaganda-Rede bei Berlinale: SPD-Minister verlässt die Preisverleihung 

»Free Palestine« auf der Bühne

Filmemacher Abdallah Alkhatib wirft der Bundesregierung vor: »Sie machen mit beim Genozid Israels in Gaza«

von Katrin Richter  21.02.2026

David Cunio: »Als ich nicht sprechen konnte, habt ihr mir eine Stimme gegeben«

Die israelische Ex-Hamas-Geisel bedankte sich an einem ebenso denkwürdigen wie emotionalen Abend im Babylon-Kino bei Regisseur Tom Shoval für den Film »A Letter To David«

von Ayala Goldmann  21.02.2026

»The Only Living Pickpocket in New York«

Der Film des Regisseurs Noah Segan mit John Turturro und Steve Buscemi feiert auf der Berlinale Premiere

von Katrin Richter  20.02.2026

Mikey Madison und Adrien Brody als Oscar-»Presenter« benannt

Bald werden die Academy Awards verliehen. Nun benennt die Filmakademie die ersten Stars, die bei der Gala als »Presenter« auf der Bühne stehen. Den Auftakt machen vier Oscar-Preisträger

»Les Juifs Riches« und »Plan Contraplan« erzählen aus jüdischen Leben

von Katrin Richter  20.02.2026

Offener Brief zu Gaza: Berlinale-Chefin weist Zensurvorwürfe zurück

»Es stimmt nicht, dass wir Filmemacher zum Schweigen gebracht hätten«: Festivalchefin Tricia Tuttle reagiert auf harsche Kritik aus einem offenen Brief aus dem Branchenblatt »Variety«

Geheimnisse & Geständnisse

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  20.02.2026 Aktualisiert

+49 30 275833 0 Mo-Do 9-17 Uhr Fr 9-14 Uhrverlag@juedische-allgemeine.deredaktion@juedische-allgemeine.de

© 2026 Jüdische Allgemeine Impressum/Datenschutzerklärung/AGB/Privatsphäre


© Juedische Allgemeine