Wenn die Brandmauer bröckelt
12. Juli 2026 – 27. Tamus 5786
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Wenn die Brandmauer bröckelt
Immer öfter erlebt unser Autor, dass die rechtsextreme AfD selbst in der gesellschaftlichen Mitte verharmlost wird. Ein persönlicher Erfahrungsbericht aus Düsseldorf
Ich habe ein Lieblingscafé in meinem Düsseldorfer Stadtteil Pempelfort. Abgesehen von dem hervorragenden Kaffee ist es ein wunderschöner, internationaler Mikrokosmos. Hier sitzen Manager im Maßanzug neben Sozialarbeitern und Studierenden. Man hört Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch. Christen, Juden und Muslime, Russen und Ukrainer sitzen hier und reden respektvoll miteinander. Man könnte meinen: eine heile Welt.
Warum also schleicht sich bei mir ein großes »Aber« ein?
Weil sich der Ton verändert hat. In letzter Zeit hört man am Nebentisch immer öfter Sätze, die mit den Worten beginnen: »Die AfD ist zwar schlecht für Deutschland, aber …« Es folgt meist eine Abrechnung mit der gefühlten Inkompetenz der Regierung und dem Brüsseler Apparat. Das Erschreckende daran ist, dass diese Sätze nicht von klassischen Wutbürgern stammen. Sie kommen von engagierten Menschen, die sich eigentlich um Menschenrechte und die Schere zwischen Arm und Reich sorgen. Sie kommen von Menschen mit Migrationshintergrund. Und natürlich von Urdeutschen.
Während die AfD in einigen Bundesländern an der 40-Prozent-Marke kratzt, scheint der Politik in Berlin wenig einzufallen, was das Leben der Bürger nicht teurer macht. Die Entfremdung zwischen Regierenden und Regierten wird mit jedem Kaffee, den ich trinke, greifbarer.
Der Trend ist bitter: Das Vertrauen in die etablierten Parteien hat einen historischen Tiefpunkt........
