Der lange Weg zum Frieden
23. Oktober 2026 – 12. Cheschwan 5787
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Der lange Weg zum Frieden
Von Re’im bis Majdal Shams: Eine Reise durch ein Land, das jeder zu kennen meint
Ihr Blick aus großen braunen Augen ruht auf mir. Sie lächelt nicht. Sie überlegt und antwortet. Ganz bei sich. Die 20-jährige Soldatin im Militärdienst ist im Bus auf dem Platz neben mir gelandet und gibt mir eine Lektion in Realität. Aber das ist fast am Ende der Reise, die an einem Sonntag – drei Tage vor dem dritten Jahrestag des 7. Oktober und gut drei Wochen vor der Knessetwahl – in Jerusalem begonnen hat.
Wegen Simchat Tora seien noch besonders viele ultraorthodoxe Juden in der Stadt unterwegs, sagt Superintendent Johnny Kassabri, seit 2012 stellvertretender Berater für Minderheiten im Büro des Distriktkommandanten der israelischen Polizei in Jerusalem. Vom Jaffator aus läuft er vorbei an Scheitel und Bekishe in den Schuk, und es fällt schwer, Schritt zu halten. In keiner Stadt der Welt sei die Polizeiarbeit komplizierter als hier, sagt der arabische Christ, der immer wieder von Passanten und Ladenbesitzern gegrüßt wird. In vielen Häusern lebe in jedem Stockwerk eine andere Religion: Christen, Muslime, Juden. Die Menschenmassen bei den verschiedenen Festen durch die Stadt zu leiten, sei eine Herausforderung. »Und dann heißt es, wir blockieren sie.«
Kassabri wirkt müde und etwas wütend. Das ist wohl auch die Stadt in ihm. »Ich spreche mit jedem«, sagt der 52-Jährige. Seit dem 7. Oktober müsse er ein Auge auf das politische Weltgeschehen haben, um zu wissen, was ihn bei der Arbeit erwartet.Während er in der Grabeskirche steht, ist von draußen der Muezzin zu hören.
Wieder erzählt Kassabri, dass er in Kanada einmal wegen seiner israelischen Staatsangehörigkeit angepöbelt worden sei: »Ich bin nicht mein Pass, ich bin ein Mensch!«
Seit dem 7. Oktober ist Israel nicht mehr gewillt, Risiken einzugehen.
Seit dem 7. Oktober ist Israel nicht mehr gewillt, Risiken einzugehen.
Es ist Abend, und die Stadt beruhigt sich langsam. Wir sind zurück am Jaffator, und ein junger Polizist erzählt mir, dass er eigentlich in einer Sondereinheit Karriere machen wollte. Aber jetzt, da er verheiratet sei und eine Familie gründen wolle, habe er einen ungefährlicheren Dienst übernommen. Er überlegt kurz, dann lachen wir beide los – kurz und ironisch. Auf dem Weg durch die Neustadt komme ich an einer Bäckerei namens »Yolo« vorbei und an einem Sofer neben einem Tattoo-Studio.
In den folgenden Tagen dieser vom israelischen Außenministerium organisierten Reise sitze ich immer wieder Sicherheitsexperten gegenüber. Es geht um die beeindruckende Stärke der Abraham-Abkommen, Gaza, den Libanon und natürlich Iran. Anders als sonst seien alle Karten in der Luft, heißt es. Und das ist positiv gemeint. Von mehreren Seiten wird mir versichtert, dass bis zu den Wahlen nichts passieren werde.
Aufgabe der neuen Regierung
Alle sorgen sich um das Westjordanland, den dortigen jüdischen Terrorismus, aber auch um die Naivität Europas. Natürlich sei die Hamas auch in »Judea und Samaria« aktiv, sagt einer, und natürlich gehe Abbas’ Palästinensische Autonomiebehörde gegen die vor, während sie selbst immer schwächer werde. Dass das Mullah-Regime fallen werde, davon geht man aus. Nur wisse niemand, wann. Und bis dahin seien die Revolutionsgarden eine unterschätzte Gefahr. Israels zerstörten Ruf in der Welt wiederherzustellen, werde die Aufgabe der neuen Regierung sein – ebenso die Beruhigung der Hälfte der eigenen Bevölkerung, von der sie nicht gewählt worden ist.
Ich schneide an meiner in Tahina schwimmenden Aubergine herum und denke über Sätze nach wie »Die Feinde des Friedens sollten nicht die Zukunft des Nahen Ostens bestimmen«, der sich so angenehm einfach und logisch anhört. Realistischer ist natürlich dieser: Während der Westen sich nach dem 7. Oktober von Israel die Reaktion eines »französischen Pudels« gewünscht hat, wollte........
