menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Tagebuch in Tönen

16 0
28.08.2026

28. August 2026 – 15. Elul 5786

AboAngebote PrintAngebote E-PaperAbo-Service

AboAngebote PrintAngebote E-PaperAbo-Service

In seiner Biografie »Idylle und Vertreibung« über Robert Kahn erinnert Reinhard Wulfhorst an einen außergewöhnlichen deutsch-jüdischen Komponisten

Ein Abend bei guten Freunden. Alle sind Hardcore-Kammermusikfans, geben Hauskonzerte, reisen zu Festivals. Erfüllt und begeistert von der Lektüre des gerade erschienenen Buches Idylle und Vertreibung über den Komponisten Robert Kahn (1865–1951) frage ich in die Runde: Wer kennt ihn, den Lehrer des Pianisten Wilhelm Kempff, den Schützling und Schüler von Brahms, den engen Freund von Einstein und Gerhart Hauptmann, den Komponisten, dessen Werke auch die Berliner Philharmoniker uraufgeführt haben? Der den größten Klavierzyklus komponierte, den je ein namhafter Künstler geschaffen hat? 

Ungläubiges Staunen. Robert Kahn? Nie gehört. 

Erstmals erschlossenes Quellenmaterial

Dem bekannten Juristen und Musikverleger Reinhard Wulfhorst ist es jetzt zu verdanken, dass endlich ein gründlich recherchiertes Werk zum Leben und Schaffen dieses wegen der Nazis zu Unrecht vergessenen Künstlers erschienen ist. Wulfhorst erzählt die Geschichte von Robert Kahn mit erstmals erschlossenem Quellenmaterial. Er hat Briefe und Dokumente gesichtet und nachgeborene Zeitzeugen befragt. 

Robert Kahn entstammt einer musikbegeisterten, wohlsituierten jüdischen Familie in Mannheim. Sein Vater war 30 Jahre Stadtrat, die Familie mit acht Kindern ein Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens in der Kurpfalz. Roberts Begabung erkennen die Eltern früh und fördern sie. Kahn verehrt Beethoven, Bach, Brahms und Schumann. Wagner hinterlässt bei ihm einen zwar physischen, aber seelisch nicht nachhaltigen Eindruck. 

Kahn komponiert spätromantisch, traditionell, er ist kein Neutöner, kein Schönberg. »Ein........

© Juedische Allgemeine